Die Suche nach den benötigten Fachkräften in Drittstaaten (Staaten außerhalb der EU) mittels der Rot-Weiß-Rot-Card werde auf Dauer nicht ausreichen, sagte Leitl. Insgesamt fehlten den österreichischen Betrieben rund 30.000 Fachkräfte, die nicht aus dem heimischen Nachwuchs besetzt werden könnten.
Jeder fünfte Klein- und Mittelbetrieb klage darüber, bei Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sei es bereits jeder zweite Betrieb. Dies bremse nicht nur das Wirtschafts-, sondern auch das Beschäftigungswachstum. Zudem werde sich der Fachkräftemangel durch die Geburtenrückgänge noch verschärfen. Deshalb sei die Suche nach Fachkräften auch Bestandteil einer Vollbeschäftigungsstrategie.
"Anreize für Fachkräfte schaffen"
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssten mehrere Dinge getan werden: So müsste einerseits älteren Arbeitnehmern ein Anreiz gegeben werden, länger in Beschäftigung zu bleiben. Dazu habe man die 50-25-25-Formel entwickelt: 25 Prozent der Pension sollte der länger arbeitende Beschäftigte erhalten, 25 Prozent das Unternehmen, und 50 Prozent sollten im Pensionssystem verbleiben.
Weiters müsste man das duale Ausbildungssystem so attraktiv machen, dass es im Wettbewerb der Bildungssysteme die attraktivste Ausbildungsform sei. In Ländern mit solchen Systemen liege die Jugendarbeitslosigkeit bei rund acht Prozent, Länder ohne duale Ausbildung kämpften mit Quoten von 20 Prozent und mehr.
Und drittens müsste in anderen EU-Ländern, mit denen Österreich bereits einen gemeinsamen Arbeitsmarkt habe, geschaut werden, ob es dort junge und gut ausgebildete Menschen gebe, die in ihren Ländern selbst aber keinen Job finden. "Wenn heimische Unternehmen diese Qualifikationen brauchen, sollte ihnen ein Angebot gemacht werden, zu uns zu kommen und hier einige Zeit zu bleiben", so Leitl. Der Fokus liege dabei auf jungen Menschen bis 25 Jahre.
Erfolgreiches Pilotprojekt wird ausgeweitet
Nachdem das Pilotprojekt mit fünf Vorarlberger Unternehmen in Spanien gute Ergebnisse gebracht habe, werde das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice und der Außenwirtschaftsorganisation auf eine breitere Basis gestellt. "Gerade Länder, die derzeit in einer Krise stecken und hohe Arbeitslosenraten haben, könnten dafür ein Fachkräfte-Reservoir bieten. Damit können wir auch einen kleinen Beitrag leisten, um dort etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu unternehmen", meinte Leitl.
Beim Pilotprojekt im Februar haben sich fünf Unternehmen mit Fachkräftebedarf gemeldet, bei der Wiederholung im Juni werden bereits 16 Unternehmen aus Vorarlberg, Tirol und Salzburg nach Madrid kommen und Erstgespräche mit den Bewerbern führen, so AWO-Marketingleiter Friedrich Steinecker. Gefragt seien vor allem technische Ausbildungen. Insgesamt hätten sich 1.200 Spanier registriert. Unter den österreichischen Unternehmen finden sich etwa Alpla, D. Swarovski KG, Gantner Electronic, Omicron, SAG, WolfVision, Rhomberg Bau sowie Zumtobel. Einige Spanier würden bereits in Vorarlberg arbeiten.
"Wir werben niemanden ab, wir geben denjenigen eine Chance, die etwas gelernt haben, aber in ihrem eigenen Land derzeit keinen Job finden", betonte Leitl. Sollten sich die Betriebe für einen Bewerber entschieden haben, sei die weitere Betreuung bezüglich Sprache, Wohnung oder Behördenwege Sache der Betriebe. Die angeworbenen Fachkräfte würden nicht nur den Betrieben, sondern auch sich selbst nützen, da sie Erkenntnisse dazugewinnen könnten.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.