Insassen verbrannten
Nigeria: Tragische Szenen kurz nach Flugzeugabsturz
Dramatisch waren auch die Szenen, die sich am Flughafen von Lagos abspielten. Dort warteten Angehörige und Freunde, um die Passagiere abzuholen. Aber die McDonnell Douglas MD-83 kam nie an. Als die Namen auf der Passagierliste vorgelesen wurden und letzte Hoffnungsschimmer sich in fürchterliche Gewissheit verwandelten, brachen mehrere Menschen weinend zusammen. Andere eilten in die umliegenden Krankenhäuser und warteten dort verzweifelt auf Informationen über das Schicksal von Familienmitgliedern.
Nach Angaben der nigerianischen Luftfahrtbehörde NCAA hatte das Flugzeug am Sonntagnachmittag beim Anflug auf Lagos eine Hochspannungsleitung gestreift. Luftverkehrsministerin Princess Stella Oduah erklärte, der Pilot habe um 15.43 Uhr Ortszeit einen Notfall gemeldet, eine Minute später sei die Maschine vom Radar verschwunden. Kurz darauf stürzte das Flugzeug in ein dicht besiedeltes Gebiet der Wirtschaftsmetropole und zerbrach in mehrere Teile. Wie viele Opfer es am Boden gab, ist weiterhin unklar. Jedoch wird befürchtet, dass auch dort zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Bis Montagmittag wurden an der Unglücksstelle 62 Leichen geborgen.
Binnen zehn Jahren vier Maschinen abgestürzt
Das Flugzeug war von der Hauptstadt Abuja unterwegs nach Lagos - ein Trip, der nur 50 Minuten dauert. Viele Nigerianer, die in der Wirtschaftsmetropole Lagos arbeiten, verbringen das Wochenende in Abuja. Aber der Luftverkehr im bevölkerungsreichsten Land Afrikas ist alles andere als sicher. Dieses jüngste Unglück war bereits das vierte in den letzten zehn Jahren in Nigeria, bei dem mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen sind. Erst am Samstag war eine Frachtmaschine der nigerianischen Allied Air in Ghanas Hauptstadt Accra über die Landebahn hinausgeschossen und in einen Minibus gekracht. Dabei wurden mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen.
Präsident will Flugsicherheit im Land verbessern
Die nigerianische Zeitung "The Punch" sprach am Montag von einem "schwarzen Sonntag". Experten zufolge hatte die 20 Jahre alte Unglücksmaschine bereits in der vergangenen Woche Probleme und hätte vermutlich nicht starten dürfen. Staatschef Goodluck Jonathan versprach seinen Landsleuten, die Unglücksursache umfassend aufklären und die Flugsicherheit im Land verbessern zu wollen. "Präsident Jonathan versichert allen Fluggästen im Land, dass alles unternommen wird, um aus diesem tragischen Verlust wertvoller Menschenleben eine Lehre zu ziehen", hieß es in einer Mitteilung seines Sprechers.
Immerhin, anders als so viele andere afrikanische Fluglinien war die Dana Airlines bisher nicht auf der Schwarzen Liste jener Fluggesellschaften verzeichnet, die nicht in der Europäischen Union landen dürfen. Insgesamt stehen über 120 Airlines des Kontinents auf dieser Liste, weil sie die strengen Sicherheitsstandards der EU nicht erfüllen. Dazu gehören zahlreiche Gesellschaften unter anderem aus Äquatorialguinea, Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik und dem Sudan. Aus Nigeria war bisher keine einzige Airline von dem Verbot betroffen.
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