Prozess in Feldkirch

23 Monate Haft für Brutalo-Überfall auf eigenen Schwager

Vorarlberg
21.04.2012 09:30
Wegen schwerer Nötigung und Freiheitsentziehung sind am Freitagabend am Landesgericht Feldkirch drei Männer zu unbedingten Haftstrafen verurteilt worden. Der Hauptangeklagte (41) muss für 23 Monate ins Gefängnis, seine Komplizen im Alter von 27 und 28 Jahren für jeweils elf Monate. Die Männer hatten im Herbst vergangenen Jahres den 34-jährigen Schwager des Hauptangeklagten gefesselt, geknebelt und geschlagen. Der 41-Jährige wollte damit ein Gespräch mit seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau erzwingen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Am frühen Morgen des 23. September 2011 hatten sich die beiden angeheuerten Komplizen des 41-jährigen türkischstämmigen Österreichers – ein 27-jähriger Montenegriner und ein 28-jähriger Türke – als Handwerker ausgegeben und sich so Zutritt zur Wohnung des Schwagers in Hard im Bezirk Bregenz verschafft. Sogleich überwältigten sie ihr Opfer mit vorgehaltener Gaspistole, fesselten den Mann mit Kabelbindern und verklebten ihm den Mund. Dann sollen sie von dem 34-Jährigen 50.000 Euro gefordert haben. Bezahle er nicht, so würde er nach Frankreich verschleppt, drohten sie.

Schwager musste stundenlang vermitteln
Der 41-Jährige, der zunächst im Wagen gewartet hatte, brachte seinen Schwager dazu, bei seiner Frau in Wien anzurufen und sie unter einem Vorwand nach Vorarlberg zu locken. Die Gattin des ebenfalls in Wien lebenden Hauptangeklagten kam der Aufforderung nach und traf gegen Mitternacht in Hard ein. Anschließend musste das Gewaltopfer stundenlange Vermittlungsgespräche zwischen dem 41-Jährigen und seiner Frau führen.

Die 32-jährige Noch-Ehefrau – ein Scheidungsverfahren ist am Laufen – erfuhr in ihrer achtjährigen Ehe nach eigenen Angaben Gewalt. So soll sie etwa an den Haaren gerissen und bedroht worden sein. Sie beschrieb ihren Mann als aggressiv, man habe sich fürchten müssen. Um das Erlebte zu bewältigen, absolviert sie eine Trauma-Therapie. Auch ihr Bruder sprach vor Gericht nun von Angstzuständen und einer Alarmanlage, die er sich nach dem Überfall einbauen habe lassen. Er fürchte sich vor einem möglichen Racheakt des 41-Jährigen, sagte er. Laut einer Analyse des Landeskriminalamts Wien gilt der Mann als sehr gefährlich.

"Wollte erreichen, dass meine Frau wieder mit mir redet"
Der Hauptangeklagte selbst rechtfertigte sich mit der Feststellung: "Ich wollte nur erreichen, dass jemand meine Frau dazu bringt, wieder mit mir zu reden." Ein finanzielles Interesse – die unterstellte Erpressung von 50.000 Euro – stritt er hingegen ab. Seine beiden Komplizen sagten aus, dass der 41-Jährige der Drahtzieher des Überfalls gewesen sei. Sie hätten den Schwager auf seine Anweisung hin bedroht, gefesselt und das Geld gefordert.

Das Gericht verurteilte den Hauptangeklagten schließlich zu 23 Monaten Haft, außerdem muss er seiner Frau 5.000 Euro, seinem Schwager 10.000 Euro bezahlen. Der Montenegriner und der Türke bekamen elfmonatige Haft- und Geldstrafen in der Höhe von jeweils 1.000 Euro, die der 34-Jährige von ihnen erhält.

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