Mi, 20. Juni 2018

Wirtschaft schwach

29.03.2012 11:40

Weniger Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit

Das Wirtschaftsforschungsinstitut und das Institut für Höhere Studien haben am Donnerstag in einer Pressekonferenz ihre pessimistischen Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2012 bestätigt: Lediglich plus 0,4 Prozent erwartet das Wifo, nur plus 0,8 Prozent das IHS. Für 2013 sind beide Institute mittlerweile weniger zuversichtlich als noch 2011. Beide haben ihre Vorhersage um 0,2 Prozentpunkte gekürzt, auf 1,4 Prozent das Wifo und auf 1,7 Prozent das IHS. Auch eine steigende Arbeitslosenquote wird erwartet.

Wifo-Chef Karl Aiginger und IHS-Chef Bernhard Felderer erwarten, dass besonders die Schuldenkrise sich dämpfend auf das Wachstum auswirken wird, wobei einerseits die Sparmaßnahmen der Regierung die Wirtschaft bremsen, andererseits die Konsumenten aufgrund der relativ hohen Inflation weniger Geld ausgeben. Damit bestätigen sie ihre Prognosen vom Dezember (siehe Infobox).

Steigende Rohölpreise verhindern einen raschen Rückgang der Inflation. Die Verbraucherpreise dürften daher heuer laut Wifo um 2,4 Prozent, laut IHS um 2,2 Prozent zulegen. 2013 soll der Anstieg allerdings mit 2,0 Prozent etwas geringer ausfallen.

Arbeitslosigkeit steigt
Das nur geringe Wirtschaftswachstum wird sich in steigender Arbeitslosigkeit niederschlagen, erwarten sowohl Wifo als auch IHS. Die Arbeitslosenquote soll von 4,2 Prozent im Vorjahr im Jahr 2012 auf 4,6 Prozent (EU-Berechnung) bzw. von 6,7 Prozent auf 7,1 Prozent (nationale Berechnung) zulegen, so die Wifo-Prognose. 2013 soll es dann einen weiteren Anstieg auf 4,8 Prozent (EU) bzw. 7,5 Prozent (national) geben. Auch das IHS rechnet heuer mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,5 Prozent bzw. 7,0 Prozent, für 2013 ist man aber optimistischer als beim Wifo und geht von einer Stagnation der Quote aus.

Die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten wird laut Wifo heuer um 0,8 Prozent und 2013 um 0,4 Prozent zulegen, das IHS erwartet für beide Jahre ein Plus von 0,7 Prozent. Etwas optimistischer als im Herbst sind die beiden Institute in Bezug auf die realen Bruttoanlageinvestitionen. Das IHS rechnet nun für 2012 mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent, vor drei Monaten hatte man noch einen leichten Rückgang vorhergesehen. 2013 soll es dann schon zu einem Anstieg um 1,7 Prozent kommen.

Der private Konsum soll laut Wifo heuer um 0,8 Prozent und 2013 um 0,9 Prozent steigen, das IHS sieht hier 0,7 Prozent und dann 1,1 Prozent. Das würde immerhin eine Verbesserung im Vergleich zu 2011 (plus 0,6 Prozent) bedeuten. Das verfügbare Einkommen wird laut Wifo heuer um 0,7 Prozent und 2013 um 1,0 Prozent höher sein - 2011 hatte es nur ein Plus von 0,2 Prozent gegeben, 2009 und 2010 jeweils sogar Rückgänge. Die realen Nettolöhne sollen heuer nach zwei Jahren mit jeweils 0,8 Prozent Minus wieder um 0,6 Prozent im Plus liegen, aber schon 2013 wieder um 0,1 Prozent zurückgehen. Die Sparquote soll sich auf dem für Österreich nicht sehr hohen Niveau von 7,3 (2012) bzw. 7,4 Prozent (2013) einpendeln.

Schrumpfende Wirtschaft in Europa
Die Wirtschaft der Euro-Zone wird 2012 um 0,2 Prozent schrumpfen, so Wifo und IHS. Ursache sei vor allem die schwache Konsumnachfrage innerhalb des europäischen Binnenmarktes, verstärkt durch die Sparbemühungen der Mitgliedsländer. 2013 soll es dann in der Währungsunion wieder ein Wachstum von 1,3 Prozent (Wifo) beziehungsweise 1,2 Prozent (IHS) geben. Die einzelnen Mitgliedsländer werden aber sehr unterschiedlich betroffen sein, betonten die Institutionen.

Deutschland kann heuer immer noch mit einem Prozent Wachstum rechnen, während in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ein "merklicher" Rückgang zu erwarten sei, schreibt das IHS. Auch in Ungarn, Slowenien und Kroatien rechnet das IHS mit schrumpfender Wirtschaft. Auch das Wifo rechnet für Italien - wie für Ungarn - mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung 2012 und für Deutschland mit einem Plus von 0,5 Prozent.

Die US-Wirtschaft kann sich hingegen schon wieder über Wachstumsraten von 2,5 Prozent im Jahr 2012 beziehungsweise 2,3 Prozent im Jahr 2013 freuen, erwartet das IHS. Auch das Wifo sieht für die USA ein Wachstum von 2,0 Prozent (2012) und dann 2,3 Prozent (2013) voraus, die Weltwirtschaft soll insgesamt um 3,4 Prozent und dann 4,0 Prozent zulegen. Chinas Wirtschaft soll in beiden Jahren um 8,2 Prozent zulegen.

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