Sa, 18. August 2018

Kampf gegen Gasleck

27.03.2012 22:19

Nordsee-Plattform droht "Bohrloch der Hölle" zu werden

Zwei Tage nach Bekanntwerden eines Lecks an einer Gas- und Ölförderplattform des französischen Total-Konzerns vor der schottischen Küste wächst die Sorge vor einer Umweltkatastrophe. An der Bohrinsel "Elgin" strömte auch am Dienstag unkontrolliert giftiges, hochexplosives Gas aus. An der Wasseroberfläche breitete sich ein Ölfilm aus. Die Behörden richteten eine Sperrzone um die Bohrinsel ein, die etwa 240 Kilometer von der Stadt Aberdeen entfernt liegt. Umweltaktivisten sprachen von einem "Bohrloch der Hölle".

Für die Öffentlichkeit an Land besteht nach Angaben der Behörden bislang keine unmittelbare Gefahr. Das ausströmende Gas enthalte aber giftigen Schwefelwasserstoff, weshalb Personen direkt am Leck gefährdet seien. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, weshalb Total die Plattform bereits am Sonntag evakuieren ließ und die 238 Arbeiter vor Ort in Sicherheit brachte. Nach Angaben der Behörden wird sich das nach faulen Eiern riechende Gas mit der Zeit in die Atmosphäre verflüchtigen.

Sperrzone für Schiffe und Flugzeuge
Um die Plattform wurden eine Sperrzone eingerichtet, Schiffe dürfen laut offiziellen Angaben nicht näher als 3,2 Kilometer an die Bohrinsel heranfahren. Flugzeuge, die tiefer als 1.200 Meter fliegen, dürfen nicht näher als 4,8 Kilometer herankommen. Damit ist der Einsatz von Hubschraubern praktisch unmöglich. Auch der Ölkonzern Royal Dutch Shell evakuierte mittlerweile seine nahe gelegene Förderplattform Shearwater.

Der britische Umweltminister Charles Hendry bezeichnete die Lage als ernst, bisher seien aber keine größeren Mengen Öl in die Umwelt gelangt. Der Ölfilm auf der Meeresoberfläche sei kleiner als ein Olympia-Schwimmbecken, so Hendry.

Umweltschützer: "Außer Kontrolle geraten"
Die norwegische Umweltgruppe Bellona sprach hingegen von einem Horrorszenario. "Das Problem ist außer Kontrolle geraten", sagte Bellona-Chef Frederic Hauge. Bevor die Arbeiter auf der Plattform in Sicherheit gebracht worden seien, hätten sie sich 14 Stunden um eine Eindämmung des Problems bemüht.

Auch Greenpeace zeigte sich alarmiert und kritisierte die britische Regierung, die die Ausbeutung von besonders tief gelegenen Rohstoffvorkommen in der Nordsee mit speziellen Anreizen noch gefördert habe. Das Gasfeld von "Elgin" liegt etwa 6.000 Meter unter dem Meeresboden.

Reparatur könnte bis zu sechs Monate dauern
Nach Angaben von Total könnte es bis zu sechs Monate dauern, bis das Leck gestopft ist. Der Vorfall weckt Erinnerungen an die Explosion der BP-Förderplattform "Deepwater Horizon" und die anschließende Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko vor knapp zwei Jahren. Total flog bis zu 20 Spezialisten ein und heuerte den Dienstleister Wild Well Control an, der auch im Golf von Mexiko zum Einsatz kam.

An der "Elgin"-Plattform förderte Total täglich neun Millionen Kubikmeter Gas, was drei Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdgas entspricht. Zudem wurden an der Bohrinsel täglich 60.000 Barrel Leichtöl gewonnen, was rund 5,5 Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdöl entspricht.

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