Di, 23. Oktober 2018

Morde in Toulouse

26.03.2012 09:40

Merah-Bruder: "Will kein Sündenbock werden"

Der ältere Bruder des Serienattentäters von Toulouse ist wegen Mittäterschaft angeklagt worden. Laut französischer Justiz werden dem 29-jährigen Abdelkader Merah vor allem Komplizenschaft und die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten vorgeworfen. Er wurde am Sonntag in Untersuchungshaft genommen. Nahezu zeitgleich dementierte seine Anwältin, dass ihn die Taten seines Bruders mit Stolz erfüllen. Er fürchte nun, zum Sündenbock zu werden.

Ihr Mandant sei nicht stolz auf die Verbrechen seines Bruders. Er verurteile die Taten zutiefst und hoffe, "nicht zum Sündenbock für das zu werden, was sein Bruder getan hat", sagte Pflichtverteidigerin Anne-Sophie Laguens am Sonntagabend. Einen Tag zuvor hatte es nach einem Verhör noch geheißen, der 29-Jährige habe seinen Stolz ausgedrückt und die Taten Mohammeds gewürdigt.

Ein anderes Detail des Polizeiverhörs vom Samstag wurde dagegen nicht dementiert und zwar, dass Abdelkader beim Diebstahl des Motorrollers dabei war, mit dem sein 23-jähriger Bruder Mohammed unterwegs war, als er sieben Menschen erschoss. Dafür wurde der 29-Jährige nun wegen gemeinschaftlichen Diebstahls angeklagt, zusätzlich zu den Hauptanklagepunkten Komplizenschaft und Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten.

In Hochsicherheitstrakt gebracht
Abdelkader Merah wurde am Sonntag einem Anti-Terror-Richter vorgeführt und anschließend in einen Hochsicherheitstrakt gebracht. Er war am Mittwoch zusammen mit seiner Lebensgefährtin in ihrem Haus südlich von Toulouse festgenommen worden und befand sich seitdem in Polizeigewahrsam. Am Sonntagmorgen lief die bei Terrorfällen gültige 96-stündige Frist aus, nach der Verdächtige angeklagt oder freigelassen werden müssen. Zwei Stunden vor Ablauf der Frist wurde die Lebensgefährtin aus der Haft entlassen, Abdelkader blieb in Gewahrsam.

Denn selbst wenn Mohammed Merah während seiner Taten alleine war, besteht dennoch der Verdacht, dass er Unterstützung von Helfern erhielt - möglicherweise auch von seinem Bruder. Mohammed Mera hat zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie vor einer jüdischen Schule einen Erwachsenen und drei Kinder erschossen. Er wurde am Donnerstag nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei erschossen (siehe Infobox). Merah soll in Kürze in Algerien - in der Gegend, aus der sein Vater stammt - bestattet werden. Sein Onkel Djamel Aziri sagte am Montag, er habe die Überstellung der Leiche beantragt und sei dabei, die Bestattung zu organisieren.

Attentäter wollte noch mehr Kinder töten
Indes kommen nun immer mehr schockierende Details über den Killer ans Tageslicht. Einem aktuellen Medienbericht zufolge soll Merah bedauert haben, dass er nicht mehr Kinder ermordet hatte. Er habe dies der Polizei während der 32-stündigen Belagerung seiner Wohnung gestanden, berichtete die Pariser Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche".

Der 23 Jahre alte Franzose algerischer Abstammung hätte auch gesagt, er habe "seine Opfer sehen" wollen - deshalb habe er kein Selbstmordattentat begangen. Die jüdische Schule sei ein Ausweichplan gewesen, hieß es in dem Bericht weiter. Die ersten drei Opfer waren Soldaten gewesen - und Merah hätte ursprünglich geplant, weitere Soldaten zu töten. Der islamistische Attentäter hätte zudem gesagt, er habe Videos seiner Bluttaten zum Hochladen ins Internet an seine muslimischen "Brüder" übergeben.

Merah behauptete, Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida zu haben. Außerdem erzählte er, dass er in Pakistan ein Terrortraining erhalten habe und dass sein Lehrer wollte, dass er in Paris Anschläge verübe. Die Ermittler sehen diese Aussagen skeptisch, schrieb "Le Journal du Dimanche". Selbst ein Taliban-Sprecher, der angab, dass Merah bei Taliban in Nord-Waziristan trainiert wurde, meinte am Wochenende: "Wir haben aber keine Informationen über die Anschläge in Frankreich. Das hat nichts mit uns zu tun."

In ganz Frankreich Schweigemärsche für die Opfer
Am Sonntagnachmittag haben Tausende Menschen in ganz Frankreich den Opfern des Attentäters von Toulouse gedacht. Die Demonstration in der Hauptstadt Paris stand unter dem Motto "Die Republik gegen Rassismus, Antisemitismus und islamischen Fundamentalismus" und wurde von Nichtregierungsorganisationen veranstaltet.

In Toulouse fanden sich rund 6.000 Menschen zu einem religionsübergreifenden Schweigemarsch zusammen. Das Gedenken fand im Stadtteil Roseraie statt, wo die drei jüdischen Kinder und der Rabbiner getötet worden waren. Viele Teilnehmer des Marschs trugen weiße Rosen in den Händen und kleine Aufkleber in Form der französischen Flagge auf ihrer Kleidung. An der Veranstaltung nahmen unter anderem der sozialistische Bürgermeister von Toulouse, Pierre Cohen, sowie Vertreter jüdischer und muslimischer Gemeinden teil. Außerdem wurde auch im nordfranzösischen Rouen, in Straßburg und in Lyon ein Schweigemarsch veranstaltet.

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