Druck wächst

S&P sieht teilweisen Zahlungsausfall für Griechenland

Ausland
28.02.2012 07:09
Der Druck auf Griechenland wächst. Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's hat auf den ausgehandelten Schuldenschnitt für das Land mit einer Abstufung der Kreditwürdigkeit reagiert. Sie senkte am späten Montagabend wie bereits angedroht die mangelhafte Note "CC" auf ein "Selective Default", also einen teilweisen Zahlungsausfall.

Grund ist, dass Griechenland die Anleger notfalls per Gesetz zwingen will, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Das sieht S&P kritisch. Die weitere große Ratingagentur Fitch hatte sich ähnlich geäußert.

Die griechische Regierung bemühte sich um Schadensbegrenzung: Die Herabstufung habe keinen Einfluss auf den Bankensektor des Landes, versicherte das Athener Finanzministerium noch in der Nacht. Die Zentralbank und folglich der Euro-Rettungsfonds EFSF hätten vorgesorgt.

Juncker: "In die Planung einkalkuliert"
Auch der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, demonstrierte Gelassenheit. Er sagte zur Abstufung: "Diese oder mögliche ähnliche Entscheidungen von Ratingagenturen waren rechtzeitig vorweggenommen und wurden in die Planung zur Privatgläubigerbeteiligung einkalkuliert." Juncker zeigte sich zuversichtlich, dass viele private Gläubiger wie Banken oder Versicherungen an dem freiwilligen Schuldenschnitt mitmachen. 

Ausblick für Rettungsfonds EFSF negativ
Zuvor hatte S&P den Ausblick für den europäischen Rettungsfonds EFSF auf negativ herabgesetzt. Damit ist in den kommenden zwei Jahren eine weitere Herabstufung möglich, nachdem der Fonds im Jänner bereits die Bestnote "AAA" verloren hat. Grund sei die unsichere Entwicklung in Frankreich und Österreich, deren "AA+"-Rating ebenfalls mit einem negativen Ausblick versehen ist.

Die Kreditkapazität des EFSF von 440 Milliarden Euro stützt sich wesentlich auf die beteiligten Länder mit "AA+"-Rating - Frankreich und Österreich - sowie Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg, die allesamt mit der Bestnote "AAA" bewertet werden. Sollte eines dieser Länder unter die Schwelle von "AA+" sinken und weitere Garantien ausbleiben, droht laut S&P auch dem EFSF eine Herabstufung. 

Das Ratingunternehmen hatte Mitte Jänner Frankreich und Österreich seine Bestnote "AAA" aberkannt und weitere Euro-Länder herabgestuft. Die Entscheidungen verpufften damals jedoch weitgehend an den Finanzmärkten. Bei den Ratingagenturen Fitch und Moody's hat der EFSF schließlich auch noch seine Bestnote.


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