GUTEN MORGEN

Sehr Nobel | Gar nicht nobel

Sehr Nobel! Redaktionskonferenz am Dienstag Vormittag: Wie werden wir mit dem Physik-Nobelpreis umgehen - Verkündung gegen Mittag? Naja, ein Österreicher wie im Vorjahr wird es wohl nicht sein, ist einhellige Meinung. Was für eine Täuschung: Wenig später wird bekannt, dass nach Anton Zeilinger im Vorjahr neuerlich ein Österreicher diese wichtigste Auszeichnung bekommt. Ferencz Krausz, ungarisch-österreichischer Wissenschafter, der in München lehrt, wird gemeinsam mit den beiden Franzosen Pierre Agostini und Anne L’Huillier mit dem diesjährigen Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Der 61-Jährige gilt als Pionier auf dem Gebiet der Attosekundenphysik, die grundlegenden Arbeiten, die zur begehrten Auszeichnung geführt haben, hat der Physiker an der Technischen Universität Wien durchgeführt. Bei der Forschung von Krausz handelt es sich darum, die schnellsten Vorgänge, die es in der Natur außerhalb des Atomkerns gibt, nämlich die Bewegung der Elektronen, in Echtzeit zu verfolgen. Erkenntnisse in diesem Bereich sind für die Medizin wichtig - zum Beispiel bei der Krebsfrüherkennung. So freuen wir uns über diese positive Überraschung und titeln in unserer heutigen Ausgabe großflächig: „Wir bleiben NOBEL!“ Zweiter Nobelpreis in zwei Jahren - sehr nobel. Oder besser: Sehr Nobel!

Gar nicht nobel. Weit weniger nobel geht es in der österreichischen Innenpolitik zu - was wir ja eigentlich längst gewohnt sind. Aber wenn sich das Klima nun in den letzten 12 Monaten bis zur programmmäßigen Nationalratswahl im Frühherbst des nächsten Jahres weiter so zuspitzt wie zuletzt - dann gilt die sprichwörtliche „Gute Nacht“. Denn es wimmelt nur so an Unterstellungen, Gemeinheiten, Vorwürfen, an Leaks und Videos. Die Parteien schenken einander nichts. Doch sie vergessen dabei offensichtlich, dass sie einander nach den nächsten Wahlen brauchen werden. Denn so viel ist absolut sicher: Keine Partei wird absolut und damit alleine regieren können. Was auch noch recht wahrscheinlich ist: Dass sich mehr als zwei Parteien zusammenfinden müssen, um eine Regierung bilden zu können. Wie das zum Wohle des Landes und seiner Bürger gelingen kann, wenn sie zuvor so gar nicht nobel miteinander umgegangen sind, einander wüst zugerichtet haben?

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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