366 Festnahmen 2011

Nickelsdorf ist nach Ostöffnung “heißes Pflaster” geblieben

Burgenland
14.02.2012 11:20
Die Ostautobahn bei Nickelsdorf im Burgenland zählt zu den am meisten befahrenen Transitrouten Österreichs - auf der Straßenverbindung sind im Jahr mehr als 30 Millionen Menschen unterwegs. Inmitten der Verkehrsströme für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, gehört zu den Aufgaben der Beamten der Grenzpolizeiinspektion Nickelsdorf AGM. Rund 40 Polizisten sind bei der Fahndung nach Schleppern, Einbrechern, Autodieben und anderen Straftätern rund um die Uhr im Einsatz.

Die Dienststelle wurde nach der Verlegung der Schengen-Grenze und der Auflassung der Grenzkontrollen eingerichtet, um die Schengen-Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen. Das "Revier" umfasse dabei die stark befahrenen Transitrouten und erstreckt sich von der A4 über die B10 und die B50 bis zum Lkw-Kontrollplatz nach Eisenstadt, erklärt Kommandant Josef Kinzel. Im Verwahrungsbuch der Dienststelle sind für das Vorjahr 366 Festnahmen eingetragen.

Zu den Taten, die häufig verübt werden, zählt nach wie vor die Schlepperei. Erst am Montag griffen die Beamten vor Zurndorf zwölf illegale Grenzgänger aus Pakistan auf und nahmen deren mutmaßliche Schlepper fest. Den letzten Großaufgriff von 20 Personen hätte es am 23. Jänner gegeben, so Kinzel.

Belastung durch Illegale: "Du siehst nur Elend"
Wer ständig mit illegalen Grenzgängern zu tun habe, bräuchte vielleicht auch manchmal selbst psychologische Betreuung, meint Kinzel: "Das betrifft dich irgendwo, weil du siehst nur Elend." Unter den Aufgegriffenen seien viele Kinder. Manchmal hätten die Leute auf der Flucht mehrere Wochen keine Möglichkeit, sich zu waschen. Bei den Kontrollen entwickle jeder Beamten mit der Zeit sein eigenes kriminalistisches Profil, nach dem er kontrolliere, erzählt der Inspektionskommandant: "Wenn da etwas nicht hineinpasst, dann schöpft der Kollege Verdacht."

Oft haben es die Ermittler auch mit Autodieben und Einbrechern zu tun. Bei den Kfz-Diebstählen etwa orientiere man sich stark am Geschehen im Großraum Wien, die Fahndungen werden jeden Tag aktualisiert. "Wir suchen immer", so Kinzel, "man schaut sich an, was in Wien für Autos gestohlen worden sind, was aktuelle Fahndungen sind". Derzeit bei Autodieben "gefragt" seien beispielsweise Skoda Octavia Kombi.

Bei vielen Taten beginnt Klärung in Nickelsdorf
Bei vielen Straftaten nimmt die Klärung in Nickelsdorf ihren Ausgang. "Es werden sehr oft Täter angehalten, die nur Einbruchswerkzeug mithaben oder Werkzeug zum Auto-Aufbrechen und -Starten. Anhand dieser Erkenntnisse ist dann oft weitergearbeitet worden", bis hin zur Aufklärung von Seriendelikten, erläutert Revierinspektor Martin Wendelin. Im Vorjahr wurde beispielsweise eine auf den Diebstahl von Mercedes-Sprinter-Fahrzeugen spezialisierte Bande gefasst. Nach einem Raub in Spanien klickten für den Verdächtigen in Nickelsdorf die Handschellen.

"Homechecker" – Einbrecher, die auch gleich das Auto mitnehmen – gingen den Beamten ebenfalls ins Netz. Auch zwei Mörder wurden von den Beamten der AGM-Dienststelle gefasst, so Kinzel. Einer der beiden Festgenommenen hatte in Deutschland einen Koch zerstückelt und Leichenteile in verschiedene Gewässer geworfen.

Verfolgungen bereiten Polizisten große Sorgen
"Gefährlich wird es insbesondere bei Verfolgungen ins Ausland, die in letzter Zeit immer häufiger vorkommen. Wir haben Fälle gehabt, wo Autoschieber auf der Autobahn umgedreht haben und zehn Kilometer gegen die Richtungsfahrbahn gefahren sind", so Kinzel. Vor einigen Monaten sei ein Verdächtiger in Gattendorf frontal in eine Straßensperre gekracht, ein Polizist wurde dabei verletzt: "Dem hat es die Armbanduhr von der Hand weggerissen." Zweimal wurden Fahnder von Autodieben mit dem Wagen mitgeschleift, als sie nach dem Fahrzeugschlüssel griffen: "Die Kollegen haben Glück gehabt, dass sie heute noch leben."

Jede Anhaltung auf der Autobahn sei mit Gefahr verbunden. Der Täter stehe nach einem Diebstahl oder Einbruch noch unter Stress, Verdächtige würden dann bei Anhalteversuchen manchmal unüberlegt handeln. Zudem spiele sich das Ganze meist in einem hohen Geschwindigkeitsbereich ab. Und Täter, die mit 150 oder 160 in Schlangenlinien zu flüchten versuchen, hätten meist nichts zu verlieren: "Man muss sich eigentlich wundern, dass noch so wenig passiert ist, was Verkehrsunfälle betrifft."

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