18 Monate danach

Love-Parade-Bürgermeister aus dem Amt gejagt

Ausland
12.02.2012 20:12
Rund eineinhalb Jahre nach der Love-Parade-Katastrophe mit 21 Toten muss der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland sein Amt abgeben. Der CDU-Politiker wurde am Sonntag in einem Bürgerentscheid abgewählt. Sauerland wird von seinen Kritikern für Fehler bei der Genehmigung der Großveranstaltung im Sommer 2010 verantwortlich gemacht. Sie werfen ihm außerdem "völliges Versagen" beim Umgang mit Opfern und Angehörigen vor.

Der Oberbürgermeister hatte stets jede Schuld an dem Unglück von sich gewiesen und einen Rücktritt abgelehnt. Doch für den Abwahlantrag einer Bürgerinitiative stimmten nach Angaben der Stadt vom Sonntagabend 129.833 Wähler. Das waren deutlich mehr als die für eine Abwahl notwendigen rund 92.000 Stimmen. Für einen Verbleib Sauerlands im Amt sprachen sich nur 21.557 Wähler aus. Seine Amtszeit hätte noch bis zum Spätsommer 2015 gedauert. Jetzt muss innerhalb von sechs Monaten ein Nachfolger gewählt werden.

Der Sprecher der Abwahlinitiative, Theo Steegmann, sprach von einem eindeutigen Ergebnis der Abstimmung. "Damit kommt der politische Frieden in die Stadt zurück", sagte er im WDR-Fernsehen. SPD und Grüne begrüßten das klare Ergebnis des Bürgerentscheids.

Schuldfrage bis heute ungeklärt
Die Schuldfrage ist nach der Massenpanik mit 21 Toten und 541 Verletzten bis heute nicht geklärt. Sauerland gehört nicht zu den Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Einen Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung haben die Ermittler gegen 17 Personen. Unter den Beschuldigten sind elf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, fünf des Veranstalters Lopavent und ein Polizeibeamter.

Sauerland war auch in die Kritik geraten, weil er den Verletzten und Angehörigen der Opfer lange eine Entschuldigung verweigert hatte. Erst spät übernahm er die moralische Verantwortung für das Unglück vom 24. Juli 2010.

Sauerland war bei Trauerfeiern unerwünscht
Bei den Trauerfeiern war Sauerland nicht erwünscht und nahm mit Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen deswegen nicht teil. Bei öffentlichen Auftritten war er Buhrufen und Beschimpfungen ausgesetzt, es gab eine Attacke mit Tomatenketchup und sogar Morddrohungen.

Der Oberbürgermeister und die Duisburger CDU hatten das Abwahlverfahren als "Kampagne" und "parteipolitische Abrechnung" kritisiert, die nichts mit der Love-Parade zu tun habe. Der Abwahlantrag der Bürgerinitiative wurde auch von SPD, der Linken, den Grünen und Gewerkschaften unterstützt.

"Chance auf einen echten Neuanfang"
Jetzt gebe es "die Chance auf einen echten Neuanfang für Duisburg", sagte der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen SPD, Michael Groschek. Die Landesvorsitzenden der Grünen, Monika Düker und Sven Lehmann, erklärten, Sauerland habe die Quittung für seine fehlende Bereitschaft erhalten, "politische und moralische Verantwortung für die Love-Parade-Katastrophe zu übernehmen".

CDU-Generalsekretär Oliver Wittke sagte, nach der demokratischen Abwahl Sauerlands gehe es jetzt vor allem darum, die Verantwortlichkeiten für die Tragödie "rechtlich belastbar aufzuklären".

Sauerland scheidet nach der Sitzung des Wahlausschusses am Mittwoch aus dem Amt. Die Stadt wird dann vorübergehend vom 1. Bürgermeister repräsentiert. Der Stadtdirektor übernimmt die Rolle des Chefs der Verwaltung.

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