Es ist noch gar nicht lange her, da bekam man seine Leistung beim Arzt ganz selbstverständlich im Tausch gegen einen Krankenschein. Später wurden die Krankenscheine von der viel praktischeren E-Card abgelöst. Und dann kam die Kreditkarte: Die mag für immer mehr niedergelassene Ärzte besonders praktisch sein, für die Patienten allerdings so ganz und gar nicht. Weil sie bei dem immer wilder wuchernden Wahlarzt-Wahnsinn damit um viel Geld erleichtert werden - refundieren doch die Kassen oft nur einen Bruchteil des Honorars, oft auch gar nichts. Der „Krone“ liegen Zahlen für 2022 vor: Allein in diesem einen Jahr wurden Arztrechnungen über 680 Millionen Euro zur Rückerstattung eingereicht - ausgezahlt wurden gerade einmal 248 Millionen Euro. Insgesamt wurden im Vorjahr fast drei Millionen Anträge auf Kostenrückerstattung eingereicht, zwei Jahre zuvor war es noch um eine halbe Million Anträge weniger. Kreditkarte statt E-Card: Da läuft gehörig etwas falsch!
System gekippt. Tatsächlich ist die Zahl der Wahlärzte explodiert, mittlerweile gibt es mehr „private“ Hausärzte als solche mit Kassenvertrag. Bei den Fachärzten ist die Lage sogar noch dramatischer - von insgesamt 13.488 Fachärzten sind bereits 9397 Wahlärzte - somit 70 Prozent! Das System ist also längst gekippt. Längst bekommt man als Patient kaum noch Termine bei Kassenärzten, darauf macht auch „Krone“-Innenpolitik-Leiterin Ida Metzger heute in einem Kommentar aufmerksam. „Wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf“, bekommen viele zu hören, schreibt sie. Und dass die Österreicher laut den neuen Zahlen (siehe oben) mehr als 400 Millionen Euro aus den eigenen Taschen für ihre medizinische Versorgung bei Wahlärzten berappen mussten. „100 neue Kassenärzte will die Regierung bis Jahresende schaffen. Das Problem wurde zwar erkannt, nur bis das kranke Gesundheitssystem als geheilt gilt, wird es Jahre dauern“, schreibt Metzger. So avanciere der Gang zum Wahlarzt immer mehr zum Luxus. Die Regierung wird es büßen müssen, dass sie dieses Problem ganz offensichtlich zu spät erkannt hat.
Kommen Sie gut durch den Freitag!
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.