Jung mit 65. Erste ORF-Pressestunde nach der Sommerpause, Peter Kaiser, der Kärntner SPÖ-Landeshauptmann und aktuelle Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz zu Gast. Es ist eine Freude, ihm Fragen stellen zu dürfen: Er eiert nicht herum wie viele seiner Zunftgenossen, er versucht nicht permanent, seine Botschaften unterzubringen, auch wenn sie gar nicht zur Frage passen. Er kommt meist zum Punkt. Bekrittelt etwa, dass bei den laufenden Finanzausgleichsverhandlungen mit dem Bund viel zu wenig weitergeht. Seine Ansagen: nie untergriffig, aber so gut wie immer klar. Etwa bei der Klimafrage: Wer den Klimawandel leugnet - nach den schweren Unwettern in Kärnten und der Steiermark und der Hitzewelle - schaue bewusst weg. Das Klimaschutzgesetz müsse endlich beschlossen werden. Ob die Krise, wie von manchen suggeriert, auf technischem Wege lösbar sein werde oder ob nicht doch Verzicht und Einschränkungen notwendig sein werden? Kaiser nennt es „Verhaltensänderungen“, die nötig seien, „wir können nicht so weitertun wie bisher“. Für die Klimakleber zeigt er gewisses Verständnis, von härteren Strafen wie sie vor allem eine Landeshauptleutekollegin fordert, hält er nichts. Tempo 100, so klingt es, müsse man nicht verordnen - weil es sich längerfristig ohnehin durchsetzen werde. Das Bild, das Kaiser abgibt: In vieler Hinsicht ist der 65-Jährige ein modernerer, jüngerer Politiker als so mancher oder manche viel Jüngere(r).
Kein Hofburg-Kaiser. Wie kommt der Kärntner Landeshauptmann und Vize-Parteichef der Bundes-SPÖ mit seinem neuen Parteivorsitzenden Andreas Babler aus? Auch wenn Kaiser weiterhin nicht zugeben will, dass er Babler am Parteitag gewählt hat - ableiten darf man es aus seinen Andeutungen. Er erzählt in der Pressestunde auch vom Familienfest der SPÖ Kärnten am Vortag, wo der neue Bundesparteichef als Gast sehr herzlich aufgenommen wurde. Ob Kaiser, wie immer wieder in den vergangenen Jahre andiskutiert, irgendwann noch eine größere Rolle in der Bundespolitik spielen werde? Da wimmelt er ab. Doch da wäre ja noch das Präsidentenamt: Die nächste Bundespräsidentenwahl steht 2028 ausgerechnet wenige Monate nach Ende der Kärntner Wahl an, bei der Kaiser nicht mehr antreten wird. Also, Herr Landeshauptmann, wie steht´s mit der Hofburg? „Einen Kaiser in der Hofburg hat es schon gegeben, das müssen wir nicht wiederholen.“ Müssen nicht. Aber Charme hätte es!
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