Vorarlbergern sagt man besondere Geradlinigkeit nach, sie reden nicht viel um den heißen Brei herum. Alles nur ein Vorurteil? Tatsächlich kennt man auch Vorarlberger, die diesem Klischee nicht so ganz entsprechen. Der Landeshauptmann aber schon - er kommt schneller und deutlicher als die meisten seiner östlicheren Kolleginnen und Kollegen zum Punkt, nimmt sich kein Blatt vor den Mund. So auch im Reigen der „Krone“-Landeshauptleute-Sommerinterviews, den Markus Wallner heute beschließt. Da will „Krone“-Innenpolitik-Leiterin Ida Metzger vom Vorarlberger Landeschef, dessen kritische Offenheit gegenüber dem damaligen Bundesparteichef und Kanzler Sebastian Kurz ihm einst sehr übel genommen wurde, wissen, welchen Kurz-Film er besuchen werde. Bekanntlich konkurrieren ja gerade ein Kurz-freundlicher und ein Kurz-kritischer Film einander um Kinobesucher. Er habe nur einen Kinofilm auf seiner Liste, den er dringend sehen muss. Und das sei nicht der Film über Kurz. Sondern einer aus dem internationalen Blockbuster-Duo. Richtig geraten: Es dreht sich weder um Kurz noch um Barbie, sondern um den Film über Oppenheimer, den Vater der Atombombe. Und warum will er den (freundlichen) Kurz-Film nicht sehen? Wallner: „Es interessiert mich nicht sonderlich. Den Trailer habe ich gesehen. Das war es. Ich bin der Meinung, in den Rückspiegel schauen bringt nicht viel. Man soll nach vorne schauen. Diese Art der Vergangenheitsbewältigung von Sebastian Kurz kann man verstehen, aber es ist seine Angelegenheit.“ Sehr offene Worte!
Bablers „Mottenkiste“. Offene Worte des Vorarlberger ÖVP-Chefs hört man im „Krone“- Interview freilich nicht nur zu Ex-Parteichef Sebastian Kurz. Er zeigt auch einige Distanz zu den von der Bundes-ÖVP im Sommer so hochgespielten Themen - von „Normalität“ bis Bargeld-Rettung. Während Wallner - im Gegensatz zu seinem Nachbarn, dem Tiroler ÖVP-Landeshauptmann Mattle - eine Landeskoalition nach den Vorarlberger Wahlen im nächsten Jahr nicht gänzlich ausschließt. Deutliche Worte findet Wallner auch zu den jüngsten Reichensteuer-Vorschlägen der SPÖ mit ihrem neuen Chef Andreas Babler. Das seien „Rezepte aus der Mottenkiste“. Der Landeshauptmann erinnert Babler daran, dass es die SPÖ war, die die Erbschaftssteuer abgeschafft hat. Er sagt: „Es hatte damals nachvollziehbare Gründe. Der damalige SPÖ-Finanzminister Lacina hat die Meinung vertreten, wenn eine Erbschafts- und Vermögenssteuer budgetär etwas bringen soll, muss sie in den Mittelstand hineingehen, sonst ist der Verwaltungsaufwand zu groß. Er hatte damals völlig recht.“ Da haben Lacina und Wallner wohl recht.
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