Im Bundestag

Bewegend: Reich-Ranicki hält Rede zu Holocaustgedenken

Ausland
27.01.2012 13:47
Der deutsche Bundestag hat am Freitag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Anlass war der 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erinnerte in seiner bewegenden Rede an die Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto im Sommer 1942. "Die Aussiedlung aus Warschau, sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: Den Tod", sagte der 91-jährige Holocaust-Überlebende.

Reich-Ranicki wurde 1920 in Polen geboren und ging später in Berlin zur Schule. 1938 wurde er wie Tausende andere polnische Juden nach Polen deportiert und 1940 im Warschauer Ghetto eingesperrt. Dort heiratete er 1942 auch seine im April vorigen Jahres verstorbene Frau Teofila. 1943 gelang den beiden die Flucht aus dem Ghetto. 1958 siedelten sie aus Polen in die Bundesrepublik Deutschland über. Seine Rede kannst du im genauen Wortlaut hier nachlesen.

Zur Eröffnung der Bundestagssitzung hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert an die im vergangenen Herbst aufgedeckte Neonazi-Mordserie erinnert. Diese Gewalt und dieser Hass seien nicht zu akzeptieren, sagte er. Der Parlamentspräsident wies auch darauf hin, dass nach aktuellen Untersuchungen 20 Prozent der Deutschen latent antisemitisch eingestellt seien. "Das sind in Deutschland genau 20 Prozent zu viel", sagte er.

Insassen wurden von Roter Armee befreit
Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Am 27. Jänner 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden. Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert auch der deutsche Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers. 

Auch in Wien gab es eine Gedenkveranstaltung. Einige Hundert Menschen, darunter Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde IKG, Kirchenrepräsentanten und Parteiprominenz von SPÖ und Grünen, versammelten sich am Freitag auf dem Heldenplatz (siehe Infobox).

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