US-Vorwahl

Gingrich erzielt deutlichen Sieg in South Carolina

Ausland
22.01.2012 08:20
Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner ist wieder offen: Newt Gingrich, der Ex-Chef des Repräsentantenhauses, hat die Vorwahlen im US-Staat South Carolina am Samstag klar gewonnen. Der bisher favorisierte Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, gratulierte seinem Rivalen zu dem Erfolg.

Nach Auszählung fast aller Stimmen kam der erzkonservative Gingrich Medienberichten zufolge auf 40 Prozent der Stimmen. Romney holte 28 Prozent. An dritter Stelle folgte der ehemalige Senator Rick Santorum mit 18 Prozent und an letzter Stelle der Abgeordnete Ron Paul mit 13 Prozent.

Spendenaufruf und Anti-Obama-Kampagne
Im Hauptquartier von Gingrich skandierten seine Anhänger "Newt, Newt", als die TV-Sender ihn zum Sieger erklärten. "Danke, South Carolina", erklärte Gingrich über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter und bat um Spenden, um gegen den finanzkräftigen Romney weiter bestehen zu können. "Helft mir, in Florida den K.-o.-Schlag zu setzen." In dem Staat gehen die Vorwahlen am 31. Jänner in die nächste Runde.

"Wir haben nicht das Geld, das mindestens einer der anderen Kandidaten hat", betonte Gingrich vor seinen Anhängern im Hinblick auf den Multimillionär. "Aber wir haben Ideen und wir haben Menschen."

Gingrich warnte vor einer Wiederwahl von Präsident Barack Obama. Obamas erste Amtszeit sei ein "Desaster" gewesen, sagte Gingrich. "Denkt nur daran, wie radikal er in einer zweiten Amtszeit sein würde." Der Ex-Chef des Repräsentantenhauses wetterte auch gegen die "Eliten in Washington und New York", die "Amerikaner am Amerikanisch-Sein hindern" wollten.

Gingrich trotzt Enthüllungen und gewinnt neue Unterstützer
Gingrich hatte den favorisierten Romney in den vergangenen Tagen in der Gunst der Wähler in South Carolina eingeholt. Der aus dem Nachbarstaat Georgia stammende Polit-Veteran überzeugte mit starken Auftritten in zwei TV-Debatten und erhielt die Unterstützung des Gouverneurs von Texas, Rick Perry, als dieser sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurückzog. Ein pikantes Interview einer der beiden Ex-Frauen von Gingrich über das Scheitern ihrer Ehe, das am Donnerstabend ausgestrahlt worden war (siehe Infobox), schien die als besonders konservativ geltenden Wähler in South Carolina nicht beeindruckt zu haben.

Romney verliert Favoriten-Status
Romney räumte seine Niederlage schon kurz nach Schließung der Wahllokale ein: "Dies ist ein harter Kampf. Wir müssen noch einen weiten Weg gehen", sagte er. Der Ex-Gouverneur steht mittlerweile wegen seines zögerlichen Umgangs mit seinen Steuerunterlagen in der Kritik. Der Multimillionär hatte einräumen müssen, nur rund 15 Prozent Steuern zu zahlen - und damit deutlich weniger als die meisten Normalverdiener in den USA. Er will Einzelheiten aber erst im April öffentlich machen.

Der Wirtschaftsfachmann aus Boston war vor Beginn der Vorwahlen als klarer Anführer der Umfragen ins Rennen gegangen. Allerdings konnte er bisher nur einen Staat für sich entscheiden. Beim Auftakt am 3. Jänner in Iowa hatte der 64-Jährige zunächst als Gewinner gegolten, musste den Sieg aber nach einer Neuauszählung der Stimmen an den christlich-konservativen Ex-Sentator Santorum abgeben. Bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire eine Woche danach ging er dagegen mit haushohem Vorsprung als Erster ins Ziel. In seiner Rede richtete er die gewohnt scharfen Attacken gegen Präsident Obama, den er für die schlechte Lage am Arbeitsmarkt verantwortlich machte.

South Carolina gilt als Hochburg der religiösen Rechten
Bei den sogenannten Primaries waren in South Carolina am Samstag alle registrierten Wähler zur Stimmabgabe aufgerufen, unabhängig davon, ob sie Mitglied bei den Republikanern sind. Gingrich kam in South Carolina offenbar zugute, dass viele konservative Wähler Romney seine relativ moderaten Ansichten sowie dessen Positionswechsel übel nehmen. Der von hoher Arbeitslosigkeit gezeichnete Bundesstaat im Süden der USA ist eine Hochburg der religiösen Rechten. Aus South Carolina kommen lediglich 25 von insgesamt 2.286 Delegiertenstimmen für die offizielle Kandidatenkür beim Parteitag der Republikaner im August.

Die nächste Vorwahl wird am 31. Jänner in Florida abgehalten. Die Republikaner nominieren ihren Präsidentschaftskandidaten offiziell Ende August auf einem nationalen Parteitag, die eigentliche Präsidentenwahl findet Anfang November statt. In Florida liegt Romney in den Umfragen deutlich in Führung. Außerdem dürfte in dem großen Staat Romneys straffer organisiertes und finanziell besser ausgestattetes Wahlkampfteam im Vorteil sein.

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