Anna (94) aus Oberösterreich ist Seniorin mit einer kleinen Pension bezieht. Einmal im Monat spendet sie zehn Euro für jene, denen es schlechter geht als ihr. Anna ist die typische österreichische Wohltäterin: 85 Prozent aller karitativen Geldzuwendungen hierzulande betragen unter 200 Euro, so der Spendenreport 2022. Insgesamt kamen im Vorjahr 900 Millionen Euro für Kinder, Tiere, Obdachlose, Katastrophenhilfe oder ukrainische Flüchtlinge zusammen. Das ist - trotz Teuerung, Krieg und Inflation - mehr als in den Jahren zuvor. Die Krise, so scheint es, lässt die Menschen zusammenrücken. Und selbst jenen, bei denen es ohnehin jeden Monat knapp ist, wollen weiter helfen: Die untersten Einkommensschichten, also jene, die mit Inflation, Teuerung und Armutsgrenze kämpfen, geben im Schnitt zwei Prozent ihrer Jahreseinkommen für karitative Zwecke aus. Ein schönes, starkes Zeichen für den rot-weiß-roten Zusammenhalt.
Im Vergleich dazu spenden die Reichsten unter uns übrigens gerade einmal 0,1 Prozent. In den Nachbarländern Deutschland und Schweiz engagieren sich die Vermögenden hingegen deutlich stärker. „Unseren“ Reichen daraus einen Vorwurf zu machen, ist einfach - und nur teilweise korrekt. Es scheitert, wie so oft, auch hier an der Bürokratie: Weil die steuerliche Absetzbarkeit oder das Stiftungsrecht in anderen Ländern attraktiver sind, weichen viele Vermögende dorthin auch. Ein neues Gemeinnützigkeitspaket soll die Spendenfreude fördern. Das Paket kommt keinen Tag zu spät: War 2022 noch der Beginn der Krise, die Inflation gerade erst im Steigen begriffen, die hohen Energiepreise erst im zweiten Halbjahr spürbar, so steuern wir 2023 auf ein volles Krisenjahr hin, zwölf schwierige Monate vor allem für jene, die schon zuvor gerade so über die Runden kamen. Die, die es sich leisten können, müssen nun Verantwortung übernehmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind geschaffen. Es gibt keine Ausreden mehr. (ts)
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