Mi, 22. August 2018

Kirchen-Skandal

16.12.2011 16:31

Niederlande: Zehntausende Kinder missbraucht

Zehntausende Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hat eine Untersuchungskommission in den Niederlanden ans Licht gebracht. Zwischen 10.000 und 20.000 Kinder und Jugendliche seien demnach zwischen 1945 und 1981 in katholischen Einrichtungen des Landes missbraucht worden. Die Kommission warf der Kirche am Freitag vor, lange Zeit die Augen vor der Gewalt verschlossen zu haben.

Die Kinder seien "leichtem, schwerem und sehr schwerem" Missbrauch ausgesetzt gewesen, hieß es im Abschlussbericht der Kommission, die gut ein Jahr lang Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche in den Niederlanden nachging. Auf Grundlage von Personenbeschreibungen seien 800 Täter identifiziert worden. Von ihnen seien mindestens 105 noch am Leben. Einige stünden weiterhin im Dienst der Kirche, erklärte die Kommission.

"Kultur der Verschlossenheit" in der Kirche
"Die Problematik des sexuellen Missbrauchs war innerhalb der Orden und Bistümer der niederländischen katholischen Kirche bekannt, aber es wurden keine adäquaten Schritte unternommen", kritisierte die Kommission. Das jahrelange Schweigen der Geistlichen sei aber mit dem bis in die 1960er-Jahre währenden Tabu der Sexualität in der Öffentlichkeit sowie einer "Kultur der Verschlossenheit" innerhalb der katholischen Kirche zu begründen.

"Druck aus Rom" für Kommission mitverantwortlich
Allerdings weist die Kommission darauf hin, dass in den 40er- und frühen 50er-Jahren dem Thema noch recht viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Diese habe mit der zweiten Hälfte der 50er-Jahre plötzlich stark nachgelassen - die Kommission machte "Druck aus Rom" für diesen Wandel verantwortlich.

Scham und Bedauern bei Bischofskonferenz
Das Zölibat von Priestern stuften die Kommissionsmitglieder nicht als "entscheidenden" Faktor für einen Missbrauch ein. Es stelle jedoch "ein Risiko" dar. Die niederländische Bischofskonferenz entschuldigte sich in einer Erklärung für die Übergriffe. "Diese Episode erfüllt uns mit Scham und Bedauern." Die Details des Untersuchungsberichts seien "schockierend".

Die Bischofskonferenz sowie die Konferenz der religiösen Einrichtungen der Niederlande hatten im März 2010 eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe versprochen. Die Leitung übernahm der frühere Bildungsminister Wim Deetman, der einst auch als Richter tätig war und zugleich Psychologe ist.

Missbrauchsskandale erschüttern katholische Kirche
Die katholische Kirche ist in den vergangenen Jahren weltweit durch zahlreiche Missbrauchsskandale erschüttert worden, auch in Österreich. Die meisten der aufgedeckten Fälle lagen allerdings Jahrzehnte zurück.

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