Mo, 20. August 2018

"Nicht nachgedacht"

12.12.2011 15:17

Wiederbetätigung: 18 Monate Haft für Burschen in Kärnten

Ein 20 Jahre alter Kärntner ist am Montag am Landesgericht Klagenfurt wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz zu 18 Monaten Haft, sechs davon unbedingt, verurteilt worden. Laut Staatsanwaltschaft hatte der junge Mann als Gefreiter des Bundesheeres bei einem Auslandseinsatz in Bosnien-Herzegowina im Jahr 2010 seine rechte Hand zum Hitler-Gruß erhoben und unter anderem "Sieg Heil" gerufen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Nach Ableistung seines Präsenzdienstes hatte sich der Kärntner freiwillig zum Auslandseinsatz nahe der bosnischen Hauptstadt Sarajevo gemeldet. Bereits während des Assistenzeinsatzes im Burgenland im Mai 2010 hatte er sich eine Tätowierung am rechten Oberarm machen lassen. Unter anderem ließ er sich SS-Runen und die Abkürzung ABK - Arische Bruderschaft Kärnten - stechen. Kaum in Sarajevo angekommen, ließ sich der junge Mann noch "Blut und Ehre" - also das Motto der Hitlerjugend - am rechten Unterarm anbringen.

"Du Ausländersau", "Heil Hitler", "Blut und Ehre"
Bei einer Geburtstagsfeier am 17. November soll der 20-Jährige dann in einem Lokal in der bosnischen Hauptstadt seinen Arm zum Hitlergruß erhoben und "Sieg Heil" gerufen haben. Während der Heimfahrt mit einem Bundesheerfahrzeug habe er dann laut Staatsanwaltschaft einen Kameraden mit Migrationshintergrund mit den Worten "Du Ausländersau, ich bring euch alle um" attackiert und mehrfach "Heil Hitler" und "Blut und Ehre" gerufen.

"Ich habe nicht nachgedacht, ich habe diese Tätowierungen einfach anbringen lassen", erklärte der Angeklagte am Montag den Geschworenen. Dass er in dem Lokal in Sarajevo die Hand zum Hitlergruß erhoben habe, bestritt der Kärntner. An die Vorfälle während der Heimfahrt in das Camp der Österreicher könne er sich wegen reichlichen Alkoholgenusses nicht mehr erinnern.

Soldat ist "Visitenkarte des österreichischen Staates"
Ideologisch wollte der Kärntner nach eigenen Angaben mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben. Die Begriffe "arisch" oder "Blut und Ehre" habe er in seinen Tattoos lediglich verwendet, um etwas zu haben, "was sonst keiner hat".

Solche Begriffe würde er heute bestimmt nicht mehr wählen, sondern sich höchstens "ein Kreuz mit den Initialen meiner Eltern" stechen lassen, erklärte der Bursche. Eine der inkriminierenden Tätowierungen ließ der junge Mann bereits überarbeiten, die zweite Tätowierung - und damit ihr nationalsozialistischer Inhalt - soll in Kürze verschwinden.

Trotz seiner späten Einsicht befand der Geschworenensenat den jungen Mann für schuldig. Er wurde zu 18 Monaten Haft, sechs davon unbedingt, verurteilt. Ein Soldat im Friedenseinsatz im Ausland gebe "eine Visitenkarte des österreichischen Staates" ab, erklärte das Gericht. Der Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

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