Festwochen

Hörbuch der Gemeinplätze

Kultur
23.05.2023 12:39

Festwochen im Theater Akzent: „Drive your plow over the bones of the dead“ nach „Gesang der Fledermäuse“

Die Polin Olga Tokarczuk hätte sich ohne Verzug unter die vielen versunkenen Nobelpreisträger eingereiht, wäre ihr die Auszeichnung nicht unter solch bizarren Umständen ausgehändigt worden. Wegen #Metoo-Verfehlungen des Gatten einer Jurorin war das Verfahren 2018 absurderweise ausgesetzt worden, weshalb das neue Komitee 2019 zwei Nobelpreise vergab. Erstmals seit Menschengedenken traf es damals einen Würdigen, den Weltliteraten Peter Handke. Den erwartbaren Ignorantentumult wollte man durch eine Entscheidung für das politisch korrekte Mittelmaß abfedern. Und wieviel Olga Tokarczuk zur geforderten Liga fehlt, musste jetzt der britische Altmeister Simon McBurney erfahren: „Gesang der Fledermäuse“ (2009) ist ein langatmiger, vorhersehbarer Tierschutzkrimi voll ökologischer, feministischer, sogar astrologischer Gemeinplätze. Was ihn vor der Dutzendware auszeichnet - das bilderstarke Erzählen und der beherzte Sarkasmus -, ist nicht dramatisierbar.

Und so kommt es wie befürchtet: McBurney, dem viele text- und atmosphäresichere Theaterabenteuer gelungen sind, kommt beim Festwochengastspiel über ein fast dreistündiges Hörbuch mit Pantomime und Video nicht hinaus. Der wackeren Truppe „Complicité“, die sich spielerisch in alles und jedes verwandelt, ist dabei kein Vorwurf zu machen, und die filigrane Kathryn Hunter stemmt die Hauptlast mit Bravour. Der Text taugt einfach nicht, woran auch die verzückte Reaktion der McBurney-Gemeinde nichts zu ändern vermag.

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