„Meister hat befohlen“

Prozess: Ex-Pfleger (40) missbrauchte Patienten

Burgenland
16.05.2023 16:00
Porträt von Burgenland-Krone
Von Burgenland-Krone

Sexuell missbraucht und seine Tat auch noch gefilmt hat ein Pfleger in Berlin. Dafür stand der 40-Jährige nun in Eisenstadt vor Gericht, wo er eine teilbedingte Haftstrafe bekam.

Als Pfleger sollte Christian M. die Würde seiner Patienten im Altenheim in Berlin, wo er von 2015 bis 2022 arbeitete, eigentlich wahren, die Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt professionell begleiten.

Alten Mann missbraucht und gefilmt
Doch der Reihe nach: Das Leben von M. war lange von Selbstverleugnung geprägt. Obwohl er eigentlich homosexuell ist, versuchte er jahrelang heterosexuell zu leben, war verheiratet und ist sogar Vater eines Kindes. Als die Ehe 2022 in die Brüche ging zog der gebürtige Österreicher in seine Heimat. Bei Durchsicht seiner Sachen fand die Ex-Frau in Berlin einen alten Datenträger und entdeckte darauf zwei Videos, die widerwärtiger nicht hätten sein können.

Seine Ex-Frau erstattete Anzeige
Die Aufnahmen zeigten M. dabei, wie er einen bewusstlosen alten Patienten sexuell missbraucht. Die Frau erstattete Anzeige, doch da der Pfleger - er arbeitet nicht mehr in diesem Beruf - in der Zwischenzeit ins Burgenland gezogen war, wurde die Staatsanwaltschaft Eisenstadt aktiv. Und die klagte den Mann wegen des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person an. Schon zu Prozessbeginn verwies der Verteidiger darauf, dass sich sein Mandant freiwillig einer Therapie unterziehe, sich in seinem ganzen Leben davor und seither auch nichts zuschulden kommen habe lassen: „Deshalb bitte ich das Gericht schon jetzt um eine milde Strafe.“

„Mein Meister hat es mir befohlen!“
Als Richterin Doris Halper-Praunias und Beisitzer Gerichtspräsident Karl Mitterhöfer vom Angeklagten wissen wollten, wie er denn überhaupt auf diese Idee gekommen sei, führte die Antwort in die Abgründe von Social Media: „Ich war in einer Telegram-Gruppe. Dort lernte ich jemanden kennen, der mein ,Meister’ wurde. Er forderte mich auf, es zu tun, mich dabei zu filmen und ihm das Video zu schicken. Heute tut mir alles furchtbar leid.“

Der Schöffensenat verurteilte M. rechtskräftig zu 18 Monaten teilbedingt. Sechs davon muss er absitzen.

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