3.500 Jahre alt

Einbaum aus der Bronzezeit aus Längsee geborgen

Kärnten
04.10.2011 12:59
Einen aus der Bronzezeit stammenden Einbaum haben Archäologen der Universität Wien aus dem Längsee in Kärnten geborgen. Bereits vor rund acht Jahren war das 3.500 Jahre alte Boot im Gewässer entdeckt worden. Um weitere Schäden zu vermeiden, wurde es nun gehoben, wie Otto Cichocki vom Vienna Institute for Archaeological Science der Uni Wien erklärte. Funde dieser Art seien ausgesprochen selten, so der Wissenschaftler - der Einbaum werde nun in Wien untersucht und konserviert.

Das Boot lag nach Angaben des Wissenschaftlers noch bis vor wenigen Jahren im Bereich des Strandbades St. Georgen tief im Schlamm versteckt und konnte so - gut konserviert - die Jahrtausende unbeschadet überstehen. Beim Bau eines Badestegs vor rund 30 Jahren wurde es durch einen Pfahl beschädigt. Durch Erosion wurde der Einbaum auch zunehmend freigelegt und lag die vergangenen Jahre ohne Schutz in einer Tiefe von vier bis sechs Metern im Wasser. Vor rund acht Jahren entdeckte dann ein Taucher das Relikt und teilte seinen Fund den Behörden mit. Um das 3.500 Jahre alte Boot vor weiteren Beschädigungen zu schützen, entschloss man sich schließlich, es zu bergen.

Aus Proben wurde mithilfe der Radiokarbon-Methode ein Alter zwischen 1630 und 1460 vor Christus ermittelt. Das Boot ist vier Meter lang und rund 60 Zentimeter breit, Bug und Heck sind erhalten. Im Gegensatz zu jüngeren Einbäumen, die meist aus Eichen gefertigt wurden, wurde das nun geborgene Boot aus weichem Holz hergestellt. Die Art des Holzes muss jedoch erst noch bestimmt werden.

Weitere Überreste eines Einbaums im Längsee gefunden
Bereits vor einigen Jahren wurde vom Kärntner Landesmuseum ein Einbaum aus dem Längsee geborgen. Dieser stammte jedoch aus dem siebenten nachchristlichen Jahrhundert und ist damit bedeutend jünger als der aktuelle Fund. Außerdem fand der Taucher, der das nun geborgene Boot entdeckt hatte, auch die Überreste eines weiteren Einbaums und filmte sie. Diese sind laut Cichocki allerdings seit Frühjahr dieses Jahres nicht mehr aufzufinden. Die Wissenschaftler befürchten, dass die Bootsreste von einer Strömung verfrachtet, eher aber illegal geborgen wurden und wollen deshalb Anzeige erstatten.

Angesichts der Boots-Funde gehen die Archäologen von einer "regen menschlichen Aktivität" in der Umgebung des Längsees aus, auch wenn abgesehen von Einzelfunden noch kein Nachweis einer Siedlung aus diesen frühen Zeiten gelungen ist.

Der Einbaum wird nun an der Uni Wien konserviert - das Verfahren werde mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Cichocki hofft, dass das Boot zusammen mit anderen Einbäumen "am besten im hoffentlich bald realisierten Pfahlbaumuseum in Keutschach" ausgestellt werden kann. Im Sommer wurden 111 prähistorische Pfahlbauten rings um die Alpen zum Weltkulturerbe erklärt. Unter den fünf Fundstellen in Österreich befindet sich der Inselpfahlbau im Keutschacher See in Kärnten.

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