Vertagung abgelehnt

“Ruby-Prozess” gegen Berlusconi wird fortgesetzt

Ausland
03.10.2011 16:47
Das Mailänder Schwurgericht hat am Montag den Antrag des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi auf Aussetzung des sogenannten "Ruby-Prozesses" abgelehnt, bei dem der Premier wegen Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin angeklagt ist. Berlusconis Rechtsanwälte hatten eine Vertagung des Prozesses gefordert. Die Richter lehnten den Antrag ab, der Prozess wird daher in Mailand fortgesetzt.

Berlusconis Anwälte wollten erreichen, dass nicht das Mailänder Schwurgericht, sondern ein spezielles Ministergericht den Fall behandelt. Ein solches Ministergericht würde Berlusconi mehr Recht auf einen fairen Prozess garantieren, erklärten seine Anwälte. Über die Zuständigkeit des Ministergerichts müssten sich die Verfassungsrichter am 7. Februar 2012 aussprechen. Bis dahin solle das Verfahren in Mailand ausgesetzt werden, forderten die Verteidiger. Berlusconi selbst war bei der Fortsetzung des Prozesses nach der Sommerpause nicht anwesend.

Die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini, die die Ermittlungen im Fall Ruby geführt hatte, hatte sich bereits am Montagvormittag gegen die Forderung der Berlusconi-Anwälte gestellt. Bei einem Schnellverfahren wie im Ruby-Prozess dürfe man aus politischen Erwägungen keine Zeit verlieren, das Verfahren müsse weitergeführt werden.

Berlusconi soll minderjährige Ruby für Sex bezahlt haben
Im Mittelpunkt der Gerichtsverhandlung steht die Sexaffäre zwischen dem 75-jährigen Premier und der 2010 noch minderjährigen Marokkanerin Karima el-Marough alias "Ruby Herzensräuberin". Die Mailänder Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, das Mädchen bei ausschweifenden Partys zwischen Februar und Mai 2010 für Sex bezahlt zu haben.

Berlusconi soll zudem sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese wegen Diebstahlverdachts vorübergehend in Polizeigewahrsam war. Dieser Prozess hatte am 6. April begonnen.

Vertrauensleute Berlusconis vor Gericht
Während der Ruby-Prozess wieder aufgenommen wurde, beschäftigte zur gleichen Zeit die Mailänder Untersuchungsrichterin Maria Grazia Domanico ein parallel laufendes Verfahren, bei dem drei Vertrauensleute Berlusconis angeklagt sind. 

Der Chefredakteur der Tagesschau TG 4, Emilio Fede, der Showgirl-Manager Lele Mora und die Regionalpolitikerin Nicole Minetti werden beschuldigt, Callgirls, darunter auch Ruby, für Partys in der Villa Berlusconis in Mailand vermittelt zu haben. Den drei Berlusconi-Vertrauten wird Beihilfe zur Prostitution vorgeworfen. Ein Prozess gegen die drei soll am 21. November beginnen, wie die Richterin entschied.

Model berichtet von "Bunga Bunga"-Partys
Vor der Untersuchungsrichterin erschien am Montag außerdem das marokkanische Model Imame Fadil, das seit dem letzten Sommer mit den Mailänder Staatsanwälten zusammenarbeitet und ihnen über die Hintergründe der sogenannten "Bunga Bunga"-Partys bei Berlusconi berichtet hatte. Sie will als Nebenklägerin am Ruby-Prozess teilnehmen und vor Gericht aussagen.

Die 26-jährige Fadil hatte unter anderem berichtet, dass zu Berlusconis Partys neben Ruby weitere Minderjährige eingeladen waren, darunter auch die ehemalige "Miss Montenegro" Katarina Knezevic. Die heute 20-Jährige hatte vor wenigen Tagen im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" behauptet, dass sie mit Berlusconi verlobt sei und mit ihm in seiner Mailänder Residenz lebe.

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