Nicht ganz bei Trost. Was für ein Auftritt! Da stehen sie nun in St. Pölten nebeneinander, als neues Traumpaar der Innenpolitik: Johanna Mikl-Leitner und Udo Landbauer. Die schwarze Noch- und Bald-Wieder-Landeshauptfrau des bevölkerungsreichsten Bundeslandes fühlt sich sichtlich noch nicht ganz wohl mit dem neuen Gschpusi an ihrer Seite und meint gleich eingangs entschuldigend, dass „viele überraschen, manche irritieren“ würde, „dass wir beide heute hier stehen“. Ja, die neue schwarz- (oder türkis-)blaue Koalition, sie steht. Im Land. Und gleich noch einmal erklärt sich Johanna Mikl-Leitner: „In gewissen Wiener Kreisen“ werde nun behauptet, diese Koalition sei von Anfang an geplant gewesen. Wer das glaube, der sei „nicht ganz bei Trost“, greift sie zu drastischen Worten. Zueinander gefunden habe man erst, als die ÖVP von der als Koalitionspartner umworbenen SPÖ enttäuscht worden war. Deren neuer Chef hatte eine Mitgift gefordert, die man bei der ÖVP nicht zusammenkratzen konnte und wollte. Und so kam es, wie es angeblich nicht kommen sollte: Gewissermaßen gezwungen zum Glück - in dieser neuen „Nicht-ganz-bei-Trost“-Koalition.
Mit Kickl unter der Tuchent. „Selbstverständlich“ - ein Mann, ein Wort . . . Es war am 29. Jänner, Wahlabend in St. Pölten, Udo Landbauer hatte mit der FPÖ gerade ein historisches Ergebnis eingefahren: Ein Riesensatz auf 24 Prozent, während die ÖVP stark verloren hatte und die SPÖ auf Platz 3 abgestürzt war. Meine Frage im TV-Studio von Puls 24 und krone.tv an den blauen „Helden“, der im Wahlkampf x-fach versichert hatte, mit ihm würde es keine Landeshauptfrau Mikl-Leitner mehr geben: „Herr Landbauer: Johanna Mikl-Leitner schließen Sie weiterhin aus als Landeshauptfrau?“ Seine fast grantige Antwort: „Ich wiederhole mich: Bei mir gilt, was ich vor der Wahl gesagt habe auch nach der Wahl.“ Und er setzte unterstreichend nach: „Selbstverständlich!“ Danach fügte Landbauer noch an, er habe „Mikl-Leitner ad personam von Beginn an ausgeschlossen“. Im Wahlkampf hatte er sogar ihren Rücktritt gefordert - und jetzt wird die FPÖ die alte und neue Landeshauptfrau zwar nicht wählen, aber ermöglichen. Ja, wenn es um Macht und deren verlockende Futtertröge geht, dann schließt man auch einen Pakt mit einer, die in den Augen Landbauers gerade noch „für strukturelle Korruption, eiskalte Manipulation und skrupellosen Machtmissbrauch“ stand. Wie nennen Blaue, um Beleidigungen nie verlegen, solche Typen? Wendehals! So müssen sie es sich gefallen lassen, wenn man Landbauer als Kickls Wendehals bezeichnet. Und die ÖVP? Wendet sich von den Roten ab und den Blauen zu. Wenn sie sich mit einem wie Landbauer in Niederösterreich ins Bett legt - dann wird im Bund die Tuchent bereits für Herbert Kickl gelupft.
Kommen Sie gut durch den Samstag!
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.