Nase vorne. Wie nennen wir nun das Ergebnis der beiden gestrigen SPÖ-Krisensitzungen? „Etappensieg für Doskozil“ war da als Schlagzeile für die heutige Titelseite bei der Radaktionskonferenz im Rennen. „Am Scheideweg“ schaffte es auch ins Finale - weil es auch wirklich treffend zum ausgewählten Foto gepasst hätte. Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil nach der ersten Sitzung, gemeinsam vor der Kamera - aber weit auseinanderstrebend. Tatsächlich wird sich der Weg mit der beschlossenen Mitgliederbefragung zur Parteispitze - führt Pamela Rendi-Wagner weiter die SPÖ an oder schafft es Hans Peter Doskozil, eine Mehrheit der Parteimitlgieder von sich zu überzeugen? - nun weisen, vielleicht auch scheiden. Aber das kann man nach der Entwicklung von gestern wie so vieles bei der SPÖ noch nicht abschließend beantworten. So entschieden wir uns - auch gut zum gewählten Foto passend, bei dem Doskozil einen Schritt (oder zumindest eine Nasenlänge) vor Rendi-Wagner schreitet, für den Wortlaut: „Doskozil hat die Nase vorn“. Denn er hat mit seinem Bewerbungsbrief Rendi-Wagner und die gesamte Partei überrumpelt und sich letztlich mit dem von ihm geforderten Procedere weitestgehend duchgesetzt. Wir hätten auch die Formulierung „Punktesieg für Doskozil“ für die Schlagzeile nehmen können.
Keine Ruhe bei der SPÖ. Den Punktesieg unterstrichen auch die Auftritte nach dem Parteivorstand. Überwiegend gelöste Gesichter bei den Teilnehmern, wenn überhaupt dann vor den Kameras nur knappe Wortspenden, in denen betont wurde, dass alle Beschlüsse am Mittwoch einstimmig gefasst wurden, man nun auf einem guten Weg sei. Hans Peter Doskozil zurückhaltend, seine generell sparsame Mimik besonders kontrollierend, auch in den Aussagen provokationsfrei. Man könnte es auch staatsmännisch nennen. Zur Pressekonferenz trat Pamela Rendi-Wagner ohne ihren Herausforderer an. Sichtlich angespannt - Sieger sehen wohl anders aus. So viel ist klar: Jetzt kommen harte Wochen auf sie - aber auch auf ihren Gegner - zu. Wahlkampf um die Parteispitze, eine blutige Schlacht droht. Und was kommt danach? „Kommt die SPÖ bis zur Nationalratswahl zur Ruhe?“ fragten wir gestern unsere Leser und User. Ihre glasklare Antwort: 90 Prozent der mehr als 42.000 Abstimmenden sagten Nein. Und diese Mehrheit dürfte recht haben.
Kommen Sie gut durch den Donnerstag!
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