GUTEN MORGEN

Schwarz-Blau im Kommen | Kurz-Rückgriff

Turbulente Zeiten - das ist eine milde Umschreibung für das, was sich derzeit in der SPÖ abspielt. Morgen, Mittwoch, soll es bekanntlich zum großen Showdown um die Parteispitze kommen - zunächst im Parteipräsidium, zu dem Obfrau Pamela Rendi-Wagner auch das Nicht-Präsidiumsmitglied Hans Peter Doskozil eingeladen hat. Fix in diesem Präsidium vertreten sind unter anderem zwei hochrangige Rote, deren Flügel auch gerade gestutzt werden: Der neue niederösterreichische Ober-Rote Sven Hergovich hat sich nicht zuletzt mit seiner Ansage, sich die Hand abzuhacken, bevor er seine wichtigsten Forderungen bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP von Johanna Mikl-Leitner opfere, ins Abseits befördert. So wird eine Koalition zwischen ÖVP und FPÖ in Niederösterreich immer wahrscheinlicher - selbst wenn sich der blaue Chef Landbauer damit einen kapitalen Umfaller leistet. Auch für den Kärntner SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser, wichtige Stimme im Bundesparteipräsidium, läuft es in den Koalitionsverhandlungen nach den Landtagwahlen nicht wirklich gut. Gestern verkündete das Team Kärnten rund um Gerhard Köfer, mit dem die SPÖ-Verhandlungen zur Koalitionsbildung vermeintlich gut verlaufen waren, den Abbruch der Gespräche. Damit wachsen die Chancen für eine bisher eher unwahrscheinliche Anti-SPÖ-Koalition aus Team Kärnten, ÖVP und FPÖ. Schwarz-Blau (oder Türkis-Blau) also in zwei Bundesländern möglicherweise im Kommen - spätestens seit Karl Nehammers „Kanzlerrede“ am vergangenen Freitag auch kein Wunder.

Kurz-Rückgriff. Mit dieser Nehammer-Rede beschäftigt sich in der heutigen „Krone“ auch Andreas Mölzer in seiner „Andererseits“-Kolumne. Die Rede sei ein Rückgriff auf eine Strategie von Sebastian Kurz gewesen. Mölzer meint, dass Kurz es damals vermochte, der Strache-FPÖ die Themen abzunehmen und damit die Nationalratswahl von 2017 zu gewinnen. Nun wolle die ÖVP mit Nehammer und Innenminister Karner nicht nur „die Migrationsproblematik wieder in den Mittelpunkt der parteipolitischen Agitation stellen“. Auch die übrigen Ansagen in der Kanzlerrede - „Absage an Klima-Apokalyptiker, Gendern und Verbot von Verbrennungsmotoren“ - deuteten darauf hin, dass Karl Nehammer dem freiheitlichen Oppositionsführer Herbert Kickl, der sich wieder im Umfragehoch befindet, aufs Neue die Themen abnehmen wolle. Freilich müsse man sich fragen, meint der Intimkenner der Blauen, „ob die Österreicher zweimal auf die gleiche türkise Taktik hereinfallen“. Nach der Absage des Bundeskanzlers an die Grünen stelle sich überdies die Frage, ob es nach den nächsten Nationalratswahlen zu einer Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition kommen könnte. Das wird nun - siehe auch oben - immer realistischer.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

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