Sa, 18. August 2018

Stark und dehnbar

31.08.2011 16:27

Forscherin züchtet menschliche Haut auf Spinnenseide

Spinnenseide könnte künftig der Schlüssel zum erfolgreichen Züchten von künstlicher Haut sein und damit bei der Heilung chronischer Wunden und Verbrennungen helfen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Doktorarbeit von Hanna Wendt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die jetzt im Wissenschaftsjournal "PLoS ONE" veröffentlicht wurde.

"Spinnenseide ist den Aufgaben der Haut bestens gewachsen: Sie ist sehr stark, trotzdem dehnbar und wird vom menschlichen Körper toleriert. Somit kann sie mehr leisten als andere Materialien, die bisher zur Züchtung künstlicher Haut untersucht worden sind", sagt die junge Wissenschaftlerin, die in der Klinik für Plastische Hand- und Wiederherstellungschirurgie der MHH mit Spinnenseide experimentiert. Forscherinnen dieser Klinik hatten zuvor bereits herausgefunden, dass diese Seide bei der Regeneration von Nerven hilft und sich als Nahtmaterial eignet.

400 Meter Faden in 15 Minuten
Bei den dafür genutzten Spinnen handelt es sich um die Goldene Radnetzspinne aus Tansania. Um die Tiere "melken" zu können, nutzen die Wissenschaftlerinnen den Haltefaden der Spinnen, dessen Produktion die Tiere nicht kontrollieren können. So können sie den von den Spinnen produzierten Seidenfaden durch leichtes Ziehen auf einen Edelstahlrahmen von einem Quadratzentimeter Größe (Bild) aufspulen, wobei eine Fläche aus kleinen Maschen entsteht. In zehn bis 15 Minuten Melkzeit pro Spinne gewinnen sie einen Strang von bis zu 400 Metern Länge.

Hautzellen, die Doktorandin Wendt auf diese Maschen aufgetragen und mit Nährstoffen, Wärme sowie Luft versorgt hat, wuchsen zu zwei übereinanderliegenden gewebeähnlichen Hautschichten heran: Keratinozyten bildeten eine Epidermis (Oberhaut), die äußerste Hautschicht, Fibroblasten die darunterliegende Dermis (Lederhaut). Im Tierversuch muss sich nun noch zeigen, wie gut dieser Ersatz anwächst. Um Spinnenseide klinisch einsetzen zu können, müsste sie synthetisch hergestellt werden, damit sie in ausreichendem Maße vorhanden ist.

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