Was für ein Kompliment - wenn ein 75-Jähriger ganz spontan meint „man ist direkt geflasht!“ Was den Herrn so begeistert hat? Das „neue“ Parlament in Wien. In das die „Krone“ am Mittwoch und Donnerstag Abend insgesamt 100 Leser zu Spezialführungen einlud. Der erste Höhepunkt am ersten Abend: der Überraschungsbesuch des Bundeskanzlers bei der „Krone“-Führung. Karl Nehammer nahm sich fast eine Stunde Zeit, zeigte seinen Platz auf der Regierungsbank und plauderte aus dem Nähkästchen. Die Diskussion mit der Leser-Runde? Zivilisierter als bei einer Nationalratssitzung. Und aufmerksamer, denn das kritisieren auch die Gewinner der Parlaments-Führung: Abgeordnete in ihren Bänken lümmelnd, auf das Handy hämmernd oder die Zeitung lesend, das missfällt. Nehammer wirbt um Verständnis - die Sitzungen dauerten oft viele Stunden, außerdem: „Wir sind auch nur Menschen.“ Im direkten Gespräch punktet der Kanzler. „Er kommt sympathisch rüber“, sagt halblaut einer aus der Runde. Es muss ja nicht jeder hören - weil er sich gleichzeitig als SPÖ-Wähler outet. Und das wird er wohl auch bleiben.
Flügel als Blitzableiter. Kaum ist der Bundekanzler wieder abgerauscht nähert sich die Parlaments-Gewinner-Runde dem nächsten Höhepunkt: Der heiß umstrittene goldene Flügel zieht magisch an. Da zücken alle ihre Handys für Fotos, einer klopft sogar in die Tasten des edlen Bösendorfer-Instrumentes. Den hohen (Miet-)Preis für den Flügel hält man dennoch für unangemessen. Die mehr als 400 Millionen Euro Gesamtkosten für das Parlament-neu stellt spätestens nach der Besichtigung des aufgeputzten Parlaments dagegen keiner in Frage. Fast gewinnt man den Eindruck, die gesamte Debatte um den Flügel diene in gewisser Weise als Blitzableiter - Unzufriedenheit mit dem Detail, Zufriedenheit mit dem Gesamtprojekt. Übrigens gehen Insider ohnehin davon aus, dass nach der Ära von Nationalratspräsident Sobotka auch die Zeit des Flügels abgelaufen sein wird.
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