Von „Prinz Putsch und seiner Gaga-Truppe“ ist im „Spiegel“ die Rede nach der Riesen-Razzia von 3000 Beamten bei sogenannten „Reichsbürgern“ in dieser Woche. Bei der auch ein Promi-Koch aus Kitzbühel als Mitglied einer mindestens 25-köpfigen Verschwörergruppe festgenommen wurde. Der Küchenchef, Schwiegervater in spe eines großen österreichischen Sportstars, dessen Identität aus rechtlichen Gründen geschützt werden muss, sei einerseits für Rekrutierungen und Schießübungen zuständig gewesen. Andererseits wäre er in der herbeiphantasierten „Reichsbürger“-Regierung rund um Heinrich XIII. Prinz Reuß für die Verpflegung auserkoren gewesen - wer weiß, vielleicht sogar im Rang eines „Ernährungsministers“? Denn neben einem Ex-Polizisten als Innenminister der Putschregierung war eine ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete als Justizministerin auserkoren, eine Ärztin sollte „Beauftragte für Spiritualität und Heilkunde“ werden, eine Astrologin für „Transkommunikation“ zuständig sein. Klingt alles ziemlich bizarr, oder? Und ist es wohl auch. So titelt der „Spiegel“ in seiner heute erscheinenden Ausgabe denn auch „Operation Staatsstreich - Die irren Phantasien von Prinz Reuß und seiner verschworenen Garde“. Während ein Kolumnist schreibt, dass der Bundesrepublik „weder Staatsstreich noch ein Putsch“ gedroht hätten, findet eine weitere „Spiegel“-Autorin, dass die Gefahr, die von querdenkenden Verschwörungsideologen ausgehe, nicht ernst genug genommen werde. Ein hochrangiger Ermittler sagte den Autoren des Nachrichtenmagazins jedenfalls, dass die „ideologische Verbohrheit und die Irrationalität“ die Reichsbürger besonders gefährlich mache. Ja, irre, verbohrt und irrational, darüber besteht wohl kein Zweifel.
Verrohung des Denkens. Klug auseinander mit der Thematik setzt sich auch Ulf Poschardt, der Chefredakteur von WeltN24. Unter dem Titel „Ein Prinz wie in einer Realsatire“ schreibt er unter anderem (zu lesen heute auch in der „Krone“): „Das ,Reichsbürgertum´ ist eine ebenso stumpfe wie naive, aber auch gemeingefährlich irre Form des Rechtsextremismus, in der Nostalgie und Intoleranz, Hass und Verblödung eine einzigartige Symbiose eingegangen sind.“ Und Poschardt versucht diesem Wahnsinn auch auf den Grund zu gehen. Er meint: „Die Verrohung von Denken und Sprache, das Suhlen in albernen Verschwörungstheorien scheint auch an diesem gesellschaftlichen Rand Standard zu sein. Wer seine politischen Hoffnungen eintauscht gegen aggressive Wirklichkeitsverleugnung, landet im Abgrund. Die ,Reichsbürger´ illustrieren dies mit dem verbrauchten Prinzen wie in einer bitterbösen Realsatire.“ Ja, da hat er sicher recht: Diese Verrohung ist als Gefahr keinesfalls zu unterschätzen.
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