Handel, Eisenbahner

Analyse: Warum Streiks wenig wahrscheinlich sind

Wirtschaft
23.11.2022 11:41

Der Druck auf die Gewerkschaften ist so groß wie noch nie: Bei Inflationsraten um zehn Prozent erwarten die Mitglieder, dass ihre Interessensvertretung ordentlich „Dampf“ macht. In drei Branchen - dem Handel, den Eisenbahnern und bei den Brauern - wurde bereits um die „Streikfreigabe“ durch den ÖGB angesucht.

Diese wird natürlich erteilt, weil man damit die Arbeitgeberseite unter Zugzwang bringen will. Doch es hat schon seinen Grund, warum Österreich im internationalen Vergleich sehr wenige Streiktage hat. Denn auch wenn es manchmal sehr ernst wird, in der Regel gibt es dann doch noch „fünf vor zwölf“ eine Einigung. Dann loben wir uns für unsere gut funktionierende Sozialpartnerschaft.

Dass es während der Lohnverhandlungen zu Betriebsversammlungen mit kurzer Unterbrechung der Arbeitszeit kommt, ist nichts Außergewöhnliches. Doch den letzten „echten“ großen Streik gab es im Oktober 2011 bei den Metallern. So weit wird es diesmal bei den erwähnten Branchen kaum kommen.

Im Handel ist bereits ein Verhandlungstermin für nächsten Dienstag vereinbart, bevor man „ernst“ macht. Doch beide Seiten wissen, dass die Gewerkschaft im Handel nicht so stark verankert ist, dass ein wirklich flächendeckender Streik zustande käme. Vielleicht braucht es in langer Tradition eine „Nacht-Session“, bei der sich die Verhandler dann um vier Uhr früh erschöpft einigen.

Bei den Eisenbahnern ist die Position der Arbeitnehmer stärker, stehende Züge im Frühverkehr würden zu einem ordentlichen Verkehrschaos führen. Doch die Arbeitgeber sind bereits vorgeprescht und zahlen auch ohne Einigung ab 1. Dezember 7,5 Prozent (= durchschnittliche Inflationsrate) aus. Eine typische „österreichische Lösung“ wäre auch hier, dass man sich am Wochenende vor dem geplanten Streik am Montag nochmal zusammensetzt und sich irgendwann zähneknirschend einigt.

Dann dürfen sich beide Seiten als Gewinner betrachten.

Manfred Schumi
Manfred Schumi
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