Mi, 15. August 2018

Tatrekonstruktion

15.08.2011 22:52

Breivik kehrte in Handschellen nach Utöya zurück

Der Attentäter von Norwegen, Anders Behring Breivik, ist am Wochenende auf die Ferieninsel Utöya gebracht worden, wo er im Juli 69 Menschen ermordet hatte. Wie die Polizei am Sonntag berichtete, verbrachte Breivik am Vortag insgesamt acht Stunden auf der Insel. Er trug dabei Hand- und Fußfesseln und war zusätzlich an einer Leine. Reue habe er keine gezeigt.

Die Rekonstruktion war lange Zeit umstritten gewesen und erfolgte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Vor dem Verhör auf Utöya habe es laut Ermittler Paal-Fredrik Hjort Kraby Diskussionen darüber gegeben, ob es den Angehörigen der 69 Todesopfer zuzumuten sei, Breivik wieder auf die Insel zurückzubringen. Man entschied sich für die Tatortbegehung, da Forschungsergebnisse zeigten, dass es dem Gedächtnis helfe, an den Ort des Verbrechens zurückzukehren.

Ziel der Aktion war die kriminalistische Rekonstruktion des Verbrechens. Breviks Anwalt Geir Lippestad sagte der norwegischen Zeitung "VG", sein Mandant habe sich an viele Details der Ereignisse erinnern können, die die Ermittler in den 50-stündigen Verhören zuvor nicht erhalten hatten. Zwei Polizisten filmten die Rekonstruktion. Die Videos werden vermutlich im Prozess verwendet.

Während der Polizeiaktion war die Insel hermetisch abgeriegelt. Sechs Polizeiboote sperrten die Insel ab, ein Hubschrauber flog über dem Tatort. Bei der Überfahrt trug der Massenmörder Handschellen, auf der Insel selbst wurde er an einer Leine geführt.

Der geständige rechtsextremistische Attentäter hatte am 22. Juli nach einem von ihm verübten Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo auf der Insel Utöya das Feuer auf Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei eröffnet. 69 Menschen wurden bei dem Angriff getötet, acht weitere Menschen starben bei dem Anschlag in Oslo.

Hing Attentäter in der Warteschleife?
Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass Breivik nach eigenen Angaben zehnmal bei der Polizei angerufen hatte, während er auf Utöya die Teilnehmer des Jugendlagers erschoss. Breiviks Anwalt berichtete der Zeitung "Aftenposten" von entsprechenden Aussagen seines Mandanten.

Breivik wollte laut Lippestad eine klare Bestätigung, dass die Polizei seine Kapitulation annehmen würde. Er sei aber nur zweimal durchgekommen - während er auf einen Rückruf wartete, habe er nicht geschossen. Diese Aussage wird möglicherweise auch von Aussagen von Überlebenden unterstützt. Sie hatten berichtet, dass Breivik für kurze Zeit das Feuer einstellte.

Breivik habe "darüber nachgedacht, Selbstmord zu begehen oder mit seiner 'Operation' weiterzumachen, und entschied sich, bis zum Eintreffen der Polizei fortzufahren", berichtete sein Anwalt. Ein Polizeisprecher sagte zwar, dass eine Aufzeichnung von einem Anruf Breiviks existiere, mögliche weitere Anrufe bzw. Telefonate wollte man aber nicht bestätigen.

Untersuchungskommission soll Fakten auf Tisch bringen
Die Polizei steht in der Kritik, weil nach dem ersten Hilferuf mehr als eine Stunde verging, bis ein Einsatzteam auf der rund 40 Kilometer nördlich von Oslo gelegenen Insel Utöya eintraf. Auch kam in den Medien die Frage auf, weshalb Behring Breivik nicht im Voraus als potenzieller Attentäter von den Ermittlungsbehörden identifiziert werden konnte.

Ministerpräsident Jens Stoltenberg gab indes am Freitag die Namen der Mitglieder einer Kommission zur Untersuchung der Vorfälle vom 22. Juli bekannt. Die zehn Kommissionsmitglieder sollen "alle relevanten Aspekte untersuchen und Fakten auf den Tisch bringen".

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