Schwierige Zeiten

Wie du dein Geld aktuell veranlagen kannst

Wirtschaft
28.07.2011 18:40
Zahlungsausfall-Szenarien aus Griechenland, schwierige Situation in Irland, Italien auf der schwarzen Liste – und auch ein Blick in die USA verheißt nicht unbedingt Gutes. Sparer sind aufgrund dieser Konstellation aktuell in einer echten Zwangslage: Lässt man seine Ersparnisse auf dem Sparbuch, betreibt man effektiv Geldvernichtung. Doch wohin kann man ausweichen?

Das Umfeld
Die Eurozone lässt sich derzeit in die sogenannten Peripheriestaaten im Süden und äußersten Westen und die Staaten in Zentral- und Nordeuropa unterteilen. In den Randstaaten brodelt und rumort es – laufend neue Hiobsbotschaften und Negativszenarien, die ihren Weg an die Öffentlichkeit finden. Die Staaten in Zentraleuropa und im Norden weisen dagegen durchaus stabile Wirtschaftsdaten auf und geben derzeit wenig Anlass zur Sorge. Anders sieht es jedoch bei einem Blick in die USA aus: Wenn hinsichtlich der Schuldenobergrenze der USA keine Einigung erzielt werden kann, dann sind die USA in der Situation, die Zinsen ihrer Anleihen nicht mehr bedienen zu können – eine Herabstufung von Ratingagenturen droht. Damit verbunden wird die Neuaufnahme von Geldern am Kapitalmarkt teurer und schwieriger. 

Der Blick nach Österreich zeigt derzeit durchaus gute Wachstumsraten, unser Hauptproblem ist aktuell die anhaltend höhere Inflationsrate, die zuletzt im Juni bei 3,3% lag. Die Hauptpreistreiber waren die üblichen Verdächtigen: Treibstoff und Nahrungsmittelpreise. Grundsätzlich gehen Experten davon aus, dass sich die Inflation im Laufe des kommenden Jahres wieder mäßigen soll. Aktuell bedeuten diese Werte für Sparer jedoch, dass KESt-pflichtige Veranlagungen einen Zinssatz von mindestens 4,4% aufweisen müssten, um netto die Inflationsrate abzudecken. Gelder, die mit geringeren Zinsen veranlagt sind, werden effektiv weniger wert, da sie dem Kaufkraftverlust voll ausgesetzt sind. 

Die Zinsen steigen und sollen ihren Trend nach oben auch weiter fortsetzen. Schätzungen für die Leitzinsentwicklung gehen von einem Leitzinssatz für die Eurozone von 2,5% bis etwa Mitte nächsten Jahres aus. Die aktuellen Sparzinsen mit einer 1-Jahres-Bindung betragen bis maximal 2,625% p.a. (den Link zum Bankenrechner der Arbeiterkammer findest du in der Infobox). Das bedeutet aber zugleich auch, dass du vom Zielzinssatz von 4,4% noch relativ weit entfernt bist. Auf Sparbüchern sollten daher derzeit nur jene Reserven liegen, die du kurzfristig verfügbar brauchst bzw. mit denen du Veranlagungschancen im Laufe der nächsten Zeit nutzen möchtest. 

Alternativen für sicherheitsorientierte Anleger
Gute Möglichkeiten findest du derzeit neben dem Klassiker Bausparen im Bereich von Unternehmens- und Bankanleihen. Hier solltest du zunächst die Bonität des Herausgebers der Anleihe beachten: je besser die Bewertung, desto geringer das Risiko eines Zahlungsausfalls. Die Anleihe sollte so ausgestaltet sein, dass du entweder einen hohen Fixkupon bekommst oder einen fixen Mindestkupon mit variabler Anpassung, wenn die Zinsen weiter steigen. Der Vorteil von Anleihen ist der, dass du höhere Zinsen bekommst als am Sparbuch. Der Nachteil jener, dass das veranlagte Geld in der staatlichen Einlagensicherung nicht abgedeckt ist und die Kapitalgarantie, die nur zum Laufzeitende gilt, mit der Zahlungskraft des Herausgebers steht und fällt. Das Rating des Emittenten sollte daher unbedingt beachtet werden. 

Ebenfalls eine gute Option sind Wohnbaubankanleihen, die bis zu einem Kupon von 4% ihre Erträge brutto für netto auszahlen. Diese Art von Anleihen hat zwar meist relativ lange Laufzeiten (ab zehn Jahren aufwärts), ist dafür aber sehr sicherheitsorientiert, da die so eingesammelten Gelder zur Finanzierung von Wohnbauvorhaben vergeben werden und somit grundbücherlich besichert sind. Damit steht ein realer Wert dahinter. 

Für Mutige
Wenn du mit dem Thema Wertpapiere bereits Erfahrungen gemacht hast und auch mit Kursschwankungen umgehen kannst, sind auch aktiv gemanagte Fonds und Aktien ein Thema, mit dem man nach wie vor gutes Geld verdienen kann – solange man sich des Risikos auch bewusst ist. Titel aus der Finanzbranche werden weiterhin als längerfristig chancenreich gesehen, werden aber sicher immer wieder Rückschläge einstecken müssen. Ebenfalls weiterhin positiv gesehen wird der gesamte Emerging Markets Bereich – egal ob als Anleihen- oder Aktieninvestment. Diese Themen sollten jedoch immer im Rahmen einer gesunden Gesamtsicht in ein Portfolio eingepflegt werden und deinem persönlichen Risikoempfinden entsprechen. 

Gold und Immobilien?
Das Problem bei beiden Anlagekategorien ist, dass sie in letzter Zeit starken Preisanstiegen ausgesetzt waren. Das Risiko, jetzt überteuert zu kaufen, ist daher sehr groß. Bei Gold ist das zusätzliche Problem, dass der Rohstoff oft in US-Dollar gehandelt wird und du dir mit einem Goldinvestment das Währungsrisiko einkaufst. Zudem hat Gold einen Kurs wie jeder andere Rohstoff und eine Aktie und kann damit mitunter stark schwanken. Ein Investment in Gold macht nur Sinn, wenn du von einem Umfallen des Euros ausgehst. 

Bei Immobilien ist der Markt mittlerweile sehr überhitzt. Du bindest dein Geld für lange Zeit und kannst es auch nicht in Teilen flüssig machen. Das Risiko ist hier zudem, dass du derzeit zu einem überteuerten Preis einsteigst und später, wenn der Markt wieder auf einem normalen Niveau ist, nur mit Verlust verkaufen kannst, weil das Objekt doch nicht jenen Wert hat, den du jetzt dafür zahlen musst.

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