Gewalt in Ägypten

Fast 300 Verletzte bei erneuten Protesten in Kairo

Ausland
24.07.2011 15:49
Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und gewalttätigen Sympathisanten der ägyptischen Militärführung sind in Kairo fast 300 Menschen verletzt worden. Tausende Menschen wurden in der Nacht auf Sonntag mit Gewalt daran gehindert, vor das Verteidigungsministerium zu ziehen. Vor dem Sitz des Militärrates, der seit dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak am 11. Februar das Land regiert, hätten sie ihren Unmut über die Verschleppung der Polizei- und Justizreformen durch die Generäle ausdrücken wollen, berichteten Medien und Augenzeugen.

Der Protestzug vom Samstagabend wurde auf dem Weg zum Verteidigungsministerium an der christlichen Abbasiya-Kathedrale von Soldaten mit Warnschüssen aufgehalten. Daraufhin stürzten sich von der Armee aufgehetzte Anrainer des Viertels und Kleinkriminelle mit Brandsätzen, Messern und Stöcken auf die Demonstranten, wie Augenzeugen berichteten. Die hinter den Stacheldrahtabsperrungen postierten Armeeverbände griffen in das Geschehen nicht ein.

296 Menschen wurden laut Gesundheitsministerium verletzt, 196 von ihnen mussten in Krankenhäusern ambulant behandelt. Nach Angaben von Augenzeugen und der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde außerdem der Blogger und Aktivist Amr Gharbeia von Männern in Zivil verschleppt. Sein Aufenthaltsort blieb zunächst unbekannt.

Die Bürgerrechtsgruppen vom Tahrir-Platz sowie mehrere linke und liberale Parteien forderten in einer gemeinsamen Erklärung eine Untersuchung des Vorfalls. Die Tatenlosigkeit der Sicherheitskräfte während der Mob-Angriffe auf die Demonstranten lege "den Verdacht nahe, dass sie (die Sicherheitskräfte) darin verstrickt sind".

Prozesse gegen Regime-Angehörige verschleppt
Mit dem neuerlichen Protest wollen die Aktivisten ihren Unmut darüber zum Ausdruck bringen, dass der Militärrat die Reform der Sicherheitskräfte und die Prozesse gegen Angehörige des Mubarak-Regimes absichtlich verschleppe. Kern ihrer Kritik sind der seit Jahrzehnten geltende Ausnahmezustand und die Aburteilung von Zivilisten durch Militärgerichte. Auch die Misshandlung und Folterung von Bürgern seit dem Umsturz würden nicht ernsthaft untersucht, bemängeln sie.

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