19.07.2011 14:42 |

Künftiger Klassiker

Viel Spaß mit dem Mazda MX-5 bei der Ennstal Classic

Wenn "mein" kleiner Mazda MX-5 Gefühle hat, ist er sicher wahnsinnig stolz. Herausgeputzt mit Startnummern auf den Türen und dem offiziellen "Ennstal Classic"-Logo auf der Motorhaube durfte er an Österreichs wohl wichtigster Oldtimer-Rallye teilnehmen. Quasi als Klassiker der Zukunft.

Auf der Königsetappe der Ennstal Classic bildeten 30 Mazda MX-5 (die meisten kamen aus MX-5-Klubs) in einer eigenen Wertung die Nachhut und durften schon mal hinschnuppern, wie es sich anfühlt, wenn in acht Jahren die ersten alt genug sind, im "echten" Feld um den Sieg zu fahren. Seit 22 Jahren werden die schicken Roadster gebaut, es sind bereits 900.000 vom Band gelaufen! Im Lauf dieser Zeit hat er alle direkten Konkurrenten überlebt: Der Fiat barchetta wurde eingestellt, ebenso der MGF, während der BMW Z3 zum Z4 wurde und die Klasse verlassen hat.

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Er hat es sich also mit Fug und Recht verdient, als Erster und bisher Einziger das Privileg einer eigenen Markenwertung bei der renommierten Oldtimer-Rallye zu erhalten. Mein Beifahrer: Urgestein Peter Urbanek, ein alter Hase, nicht nur als Teilnehmer, sondern auch als Organisator von Oldtimer-Rallyes. Er übernahm den wichtigsten Part – als Herr über Roadbook und Stoppuhr.

Pure Faszination und Gänsehaut
Start für die MX-5-Rallye am Samstag war der Hauptplatz von Steyr, just dort, wo die regulären Ennstalclassiker durchkamen, sich kurz einparkten und nach ein paar Minuten weiterfuhren. Allein das mitzuerleben war schon die Reise nach Steyr wert. Sagenhafte Autos, von Rennwagen aus den 30er-Jahren, die schon damals weit über 200 PS hatten, über jüngere Klassiker wie den BMW 507, Porsche 911, Austin Healey, AC Cobra und wie sie alle heißen. Oder auch ein riesiger Rolls Royce Phantom Open Tourer mit seinem hölzernen Bootsrumpf. Ein Wahnsinn, diese Autos nicht nur im Museum stehen zu sehen, sondern sie zu hören, spüren und riechen.

Als die alle durch waren, verließen wir mit den 30 MX-5 unsere Warteposition am Ennskai, nahmen Aufstellung am Hauptplatz und nahmen ein gänsehautförderndes Bad in der Menge, die den Weg säumte und jubelte.

Von dort ging es im 30-Sekunden-Abstand auf die erste mit 2:30 Stunden angesetzte Etappe. Ziel für uns wie für alle anderen war es, die vorgegebene Route zum einen nach Roadbook zu finden, zum anderen sie mit einem Durchschnitt von exakt 50 km/h zu fahren. Sogenannte Sonderprüfungen, auf denen versteckte "Section Controls" das Durchschnittstempo zusätzlich überprüfen, verschärften die Bedingungen.

Windhauch, Sturmwind, Hagelschlag
Sogar das Wetter spielte die meiste Zeit mit, nachdem der Mazda am Vortag bei der Anreise schon beweisen durfte, dass er auch im strömenden Regen problemlos offen zu fahren ist, solange man nicht wesentlich unter 80 km/h kommt. Einzig Hagelkörner durchschlagen die "Windhaube", die Beule spüre ich noch heute (Foto der Hagelkörner auf unserer Facebook-Seite). Dem Auto hat der Hagel bei 130 km/h zum Glück nichts anhaben können.

Der Luftstrom im Innenraum ist gut zu dosieren: Sind die Seitenscheiben und das kleine Klappwindschott oben, rührt sich kaum ein Lüftchen. So hielten wir es problemlos auch dann noch aus, als die Temperatur auf 12 Grad fiel. Ist alles unten, erlebt man das echte Roadsterfeeling.

Spaßmacher mit ungewöhnlichem Feature
Ein wenig ungewöhnlich ist, dass unser Rallye-Mazda ein elektrisches Blechfaltdach statt des klassischen Stoffverdecks hat, was zum Charakter des Wagens so gar nicht passt. Immerhin ist er auch mit geschlossenem Blechdach laut wie ein echter Roadster, weil von links Windgeräusche ins Ohr rauschen. Wirklich umständlich ist, dass man zum Öffnen/Schließen stehen bleiben, auf die Bremse steigen und den Gang rausnehmen muss. Das ist lästig und birgt das Risiko, dass man beim Parken vergisst, den Gang wieder einzulegen. Dann macht sich der MX-5 schlicht selbständig.

Das kann den Spaß, den der Zweisitzer macht, aber in keiner Weise schmälern (außer er macht sich tatsächlich selbständig): Heckantrieb, direkte Lenkung, Gokart-Fahrwerk, dazu die Schaltung, für die der Begriff "knackig" erfunden wurde. Zwar hatten wir nur den 1,8-Liter-Motor mit 126 PS unter der Haube, es war trotzdem eine Freude, durch die engen Kurven der Rallye-Strecke zu wuseln. Drifteinlagen sind mit der 2-Liter-160-PS-Version einfacher.

Moderner Roadster voll akzeptiert
Für das Halten des 50er-Schnittes reichte die Leistung allemal, vor der ersten Durchfahrtskontrolle hatten wir eine halbe Stunde Zeit, im steirischen Outback einen Kaffee zu trinken und eine hausgemachte Schokotorte zu essen. Später wurden für die hungrige Meute unterwegs auch noch Sackerln mit Äpfeln, Wasser und Schnitzelsemmeln gereicht. Mit einem Tankstopp brauchten wir uns nicht aufzuhalten, mit 8,4 l/100 km im Durchschnitt reichte der Sprit leicht.

Die Menschen am Straßenrand jubelten auch uns zu, im Klassiker Baujahr 2011, sie winkten und fotografierten. Immer wenn wir jubelnde Menschen sahen, wussten wir, dass wir die richtige Abzweigung erwischt hatten. Was zum Ende hin nicht immer der Fall war. Blöd, dass in so einem Fall natürlich die Kilometerangaben im Roadbook nicht mehr mit dem Kilometerzähler am Tacho übereinstimmen (die ganz normale Abweichung von ca. 300 Meter pro 40 km war dagegen leicht zu kompensieren).

Bei der Siegerehrung am Abend dann das leicht ernüchternde Ergebnis: Platz 10. Das will ich nächstes Jahr besser machen. Ob im Mazda oder in einem echten Klassiker.

Stephan Schätzl

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