Jahrhundertwinter

„Schnee-Apokalypse“ fordert Tote in Russland

Ausland
19.01.2026 07:03
Porträt von krone.at
Von krone.at

General Winter hat in Russland mit eisigen Temperaturen und stellenweise tödlichen Schneemassen das Kommando übernommen. Die auch oft von starken Erdbeben und Tsunami-Gefahr erschütterte fernöstliche Halbinsel Kamatschatka erlebt gerade einen Jahrhundertwinter. Aus der Hauptstadt wurden zwei Tote gemeldet.

Seit Tagen gilt in der Pazifikregion der Ausnahmezustand. Russische Medien berichten von einer „Schnee-Apokalypse“ mit eingeschneiten Häusern und Autos, Versorgungsengpässen und auch Opfern. In der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurden laut Behörden zwei Männer von Schneemassen, die von Dächern zu Boden krachten, erschlagen.

Meteorologen sprechen von den schwersten Schneefällen seit etwa 30 Jahren. Binnen weniger Tage fiel so viel Schnee wie sonst in Monaten. Auch Studenten und Soldaten sind im Einsatz, um Menschen in Not zu helfen. Teils sind Bewohner von den Schneemassen eingesperrt gewesen; besonders ältere Menschen konnten sich nicht selbst befreien.

Hier sieht man die in gewaltigen Schneemassen begrabene Region:

Helfer schaufeln eingeschneite Häusern frei
Die tagelangen Niederschläge vorige Woche brachten stellenweise bis zu fünf Meter hohe Schneeverwehungen an Häusern, wie Medien berichten und in Videos zeigen. „Nicht alle können solch eine Situation alleine durchstehen“, sagt der Student Pawel Scherebkin in einem Video des lokalen Nachrichtenportals „Kamtschatka Sergodnja“, während er die Wege zu Häusern freischaufelt. Aber täglich kämen mehr Helfer hinzu. „Wir kommen mit den Folgen des Zyklons klar.“

Wissenschaftern zufolge sind die extremen Bedingungen auf wiederkehrende Zyklone über dem Pazifik zurückzuführen, die große Mengen an Feuchtigkeit mit sich bringen. Durch die kalte Luft und die komplexen geografischen Gegebenheiten Kamtschatkas verwandelt sich diese Feuchtigkeit in reichlich schweren Schnee.

Die Bewohner Kamtschatkas gelten russlandweit als besonders hart gesotten und geduldig, was die Extreme der auch bei Touristen beliebten Halbinsel mit ihren vielen aktiven Vulkanen angeht. 2023 legte sich über den ohnehin hohen Schnee auch noch eine Decke aus Asche nach dem Ausbruch des Riesenvulkans Schiwelutsch. Es war damals der laut Vulkanologen größte Ascheregen seit 60 Jahren.

Bei manchen Gebäuden ist nicht nur der Eingang, sondern auch die ersten Etagen eingeschneit. Teils verließen Menschen ihre Wohnungen über das Fenster, wenn sich nicht selbst befreien konnten von den Massen, wie örtliche Medien berichteten.

Eindrucksvolles Video aus Kamtschatka:

Gouverneur räumt Versorgungsengpässe ein
Gouverneur Wladimir Solodow hat für diesen Montag eine Krisensitzung angesetzt, weil es immer wieder auch Klagen über Versorgungsengpässe gibt. In seinem Telegram-Kanal zeigt er sich bei einem Besuch in einem Supermarkt; seit Tagen gebe es vor allem Probleme mit Obst und Gemüse, weil keine Lieferautos fahren könnten oder Gewächshäuser eingeschneit seien, heißt es.

Der Politiker muss sich Berichte über Hamsterkäufe anhören. Teils hätten Leute 120 Weckerl auf einmal gekauft, um sie dann anderswo gewinnbringend weiter zu verkaufen, erzählt ihm der Leiter des Supermarkts. Gezeigt wird aber auch, dass es Eier, Milch und in der hauseigenen Bäckerei gebackenes Brot gebe. Es ist der Versuch einer Antwort auf die ebenfalls kursierenden Videos von leeren Regalen und vielen Klagen von Bewohnern in entlegenen Orten, dass es nichts mehr zu essen gebe.

„Der vorübergehende Mangel an einigen Waren in einigen Geschäften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen“, sagt der Gouverneur. Betroffen seien kleine Läden. Sobald die Zufahrten und Eingänge freigeschaufelt seien, seien auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel laufe jedenfalls ununterbrochen.

Schneechaos verbreitet in Russland – auch Moskau kämpft
Die Lage bleibt aber angespannt bei tiefen Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teils auf Fernunterricht umgestellt. Räumfahrzeuge fahren rund um die Uhr Einsätze, um die letzten Straßen freizubekommen. Die Stadtverwaltung von Petropawlowsk-Kamtschatski forderte Eltern auf, ihre Kinder nicht auf die Straßen zu lassen. Die Warnung lautet, sie könnten von Schneemassen von Dächern oder riesigen Eiszapfen erschlagen werden. Das Problem gibt es fast überall in Russland. Immer wieder gibt es deshalb Todesfälle.

Auch in der Hauptstadt Moskau, die ebenfalls Rekordmengen an Niederschlag verzeichnete, sind bis heute Einsatzkräfte auf Dächern unterwegs, um den Schnee wegzuschaufeln. Am 9. Jänner sprachen Meteorologen von einem der heftigsten Schneestürme in den vergangenen 146 Jahren der Wetterbeobachtung.

Für die Schneeräumarbeiten auf den Dächern sind ganze Gehsteige gesperrt. In der Stadt fahren überall Lastwagen, um die Schneemassen an sichere Orte zu transportieren. Sogar am Roten Platz, dem Machtzentrum des Riesenreichs, türmen sich Berge von Schnee an der Kremlmauer und an der Basiliuskathedrale. Der Abtransport lässt auf sich warten.

Entspannung ist nicht in Sicht. Für die kommende Woche kündigen Meteorologen für die Hauptstadt auch noch Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius an.

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