Viele Kassenarztpraxen in Niederösterreich bleiben monatelang unbesetzt. ÖGK und Ärztekammer fordern attraktivere Modelle, um künftig wieder mehr Kassenärzte zu gewinnen.
Wie zuletzt das Burgenland meldet jetzt auch Niederösterreich zunehmende Zahlen an unbesetzten Kassenarztpraxen. Insgesamt gibt es 1313 ansässige Vertragsärzte, derzeit stehen 73 Stellen leer – davon 38 in der Allgemeinmedizin und 35 bei den Fachärzten, berichtet die niederösterreichische Ärztekammer. 21 der allgemeinmedizinischen Stellen sind bereits länger als zehn Monate erfolglos ausgeschrieben.
Sorgenkinder: Dermatologie, Kinderheilkunde
Das bestätigt auch die österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). Im Schnitt soll es im vergangenen Jahr pro Stelle nur rund 0,9 Bewerber gegeben haben.
Besonders betroffen seien etwa die Dermatologie sowie die Kinder- und Jugendheilkunde. Patienten müssen übergangsweise auf umliegende Wahlärzte oder Spitalsambulanzen ausweichen, wodurch sich das Problem der überlasteten Ordinationen weiter verschärft.
„Nachbesetzungen scheitern zunehmend an der mangelnden Attraktivität einer Kassenordination – insbesondere in strukturschwachen Regionen“, erklärt Dr. Dagmar Fedra-Machacek, Kurienobfrau der Ärztekammer NÖ. Zu viele Administrationsaufgaben und Dokumentationspflichten machen den Beruf eines Kassenarztes für nachkommende Jungärzte zunehmend unattraktiv.
Klare Lösungsansätze
Um künftig mehr Kassenärzte zu gewinnen, möchte die ÖGK durch Ausbau von Primärversorgungseinheiten (PVE) ein attraktives Angebot schaffen. Dazu zählen etwa das Arbeiten in multiprofessionellen Teams, flexible Arbeitszeitmodelle und Entlastung von administrativen Angelegenheiten. Dies soll auch für Patienten positive Folgen haben und für geringere Wartezeiten und längere Öffnungszeiten sorgen.
Auch der Honorarkatalog müsste dringend modernisiert werden.
Im Rahmen von Verhandlungen setzt die ÖGK gemeinsam mit der Ärztekammer weiters auf gezielte Maßnahmen, um den Kassenvertrag „up to date“ zu halten. „Der Honorarkatalog ist in einigen Bereichen überaltet und bildet wesentliche Aspekte moderner Medizin nicht mehr ab. Diese Leistungen sind heute unverzichtbar, finden aber kaum Anerkennung im Kassensystem. Hier muss endlich angesetzt werden“, so Dr. Fedra-Machacek.
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