Mit dem fast fünf Meter langen Filante kehrt Renault wieder ins E-Segment zurück, also zu den wirklich großen Fahrzeugen. In Europa wird das expressive SUV allerdings nicht zu sehen sein – zumindest vorerst.
Vel Satis, Safrane, Latitude – immer wieder hat Renault versucht, in der gehobenen Mittelklasse Fuß zu fassen. Dauerhaft konnte sich aber keines der Modelle wirklich gegen die großen Audi, BMW oder Mercedes durchsetzen. Gleichzeitig wächst in Asien, Lateinamerika und im Mittleren Osten die Nachfrage nach höher positionierten Fahrzeugen. Entsprechend richtet der Konzern seine Modellpolitik international aus und entwickelt Fahrzeuge wie den neuen Filante, die in wertstarken Segmenten platziert sind und global funktionieren sollen.
Er rollt in Busan vom Band, wo Renault früher zusammen mit Samsung Modelle speziell für den koreanischen Markt baute. Heute ist Renault Korea ein eigenständiges Unternehmen und fungiert als Entwicklungs- und Produktionszentrum für größere Fahrzeuge. Nicht ohne Grund: Im weltweit neuntgrößten Markt ist gut jeder zweite verkaufte Neuwagen ein Fahrzeug der Mittel- oder gehobenen Mittelklasse. Renault ist dort die Nummer drei nach Hyundai und Kia, die zusammen fast 80 Prozent Marktanteil haben.
Deutlich länger als der Espace
Der neue Filante ist eines von acht neuen Modellen, die Renault bis 2027 außerhalb Europas auf den Markt bringen will. Er richtet sich gezielt an Südkorea, wo er im Frühjahr auf den Markt kommt. Später ist soll er auch in ausgewählten Ländern Südamerikas sowie den Golfstaaten verkauft werden. Dass er nicht als SUV auftritt, hat handfeste Gründe, denn die sind im E Segment in Korea wenig gefragt. Vielmehr verbindet der Filante als Crossover Elemente von Limousine und SUV. Seine Karosserie streckt sich auf über 4,90 Meter, ist also gut 15 Zentimeter länger als der Espace, dem größten Europa-Modell der Franzosen. Da er aber eine Handbreit flacher ist und die Dachlinie zum Heck hin coupéartig ausläuft, wirkt er um einiges dynamischer.
Mit dem Filante führen die Franzosen eine neue Designsprache samt neuer Lichtsignatur ein. „Unsere Modelle sollen emotionaler auftreten und sich im internationalen Umfeld deutlicher differenzieren“, sagt Chefdesigner Laurens van den Acker. „In einer Kategorie, in der Status oft mit Funktion verbunden ist, bringen wir zusätzliche Spannung durch einen eigenständigen Stil.“
Riesen-Display über die ganze Breite
Im Innenraum setzt Renault auf ein stark digitalisiertes Cockpit. Drei je 12,3 Zoll große Displays bilden eine durchgehende Bildschirmlandschaft, ergänzt durch ein riesiges Head-up-Display. Dank mehr als 2,80 Meter Radstand haben die hinteren Passagiere sehr viel Beinfreiheit. Und 654, bei umgelegter Bank sogar über 2000 Liter Kofferraumvolumen genügen auch für großes Gepäck. So tritt der Filante als Reise- und Familienfahrzeug auf, aber auch als gehobene Business-Limousine, in der man sich gerne chauffieren lässt. Komfortmerkmale wie Dreizonen Klimaautomatik, ein 1,1 Quadratmeter großes Glasdach und ein aufwendiges Akustikpaket sollen den Premiumanspruch unterstreichen.
Die Plattform stammt aus China
Als Basis dient die von Geely gelieferte und für elektrifizierte Antriebe geeignete CMA-Plattform. Entsprechend sitzt unter der Motorhaube ein weiterentwickelter Hybridantrieb mit 250 PS Systemleistung. Bei dessen Verbrenner setzt Renault wieder auf vier statt wie in den europäischen Hybridmotoren auf drei Zylinder. Mit 1,5 Litern hat der Benziner zudem mehr Hubraum. Das 150 PS starke Aggregat ist mit zwei Elektromotoren (60 kW/81 PS und 100 kW/136 PS) sowie einer 1,64 kWh großen Lithium-Ionen Batterie mit 316 Volt kombiniert. Der Filante soll vor allem im Stadtverkehr mit hohem Elektroanteil fahren und nur halb so viel verbrauchen wie ein vergleichbarer Benziner. Von 75 Prozent Elektromodus ist die Rede.
Auch bei den Assistenzsystemen positioniert sich der Filante an der Spitze des Portfolios. Mehr als 30 Systeme stehen zur Verfügung, darunter einige, die Renault so bisher noch nicht eingesetzt hat, darunter eine erweiterte automatische Ausweichfunktion und ein digitalen Innenspiegel. An schusselige Eltern richtet sich die Kind-Anwesenheitserkennung mit Sensoren für Beifahrersitz und Rückbank. Wird der Wagen verriegelt, obwohl der Nachwuchs noch im Auto sitzt, blinkt und hupt er mehrmals. Passiert nichts, bekommt der Fahrer eine SMS. Gleichzeitig schaltet sich die Klimaanlage an und die Fenster werden einen Spalt weit geöffnet.
Der Filante ist weniger als regionales Nischenprodukt gedacht, sondern als globales Spitzenmodell, mit dem Renault seine Position in wachstumsstarken Märkten des D- und E-Segments ausbauen will. Europa ist erst einmal nicht vorgesehen. Aber das wird bei solchen Projekten oft behauptet.
Übrigens beweist Renault mit dem Filante wieder mal ein ungewöhnliches Händchen für Modellbezeichnungen. Vor ziemlich genau einem stellten die Franzosen ein Rekordfahrzeug vorgestellt – das just diesen Namen trug. Auch der Espace ist ja nicht mehr das, wofür der Name berühmt geworden ist. Statt eines legendären Vans ist er bekanntlich mittlerweile ein SUV.
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