Terror in Kabul

Kampfhubschrauber der NATO stoppt Attacke auf Hotel

Ausland
29.06.2011 18:15
Nach stundenlangen Kämpfen haben afghanische Sicherheitskräfte mit Hilfe der NATO in der Nacht auf Mittwoch in einem Kabuler Luxushotel acht Angreifer der Taliban getötet. Bei der spektakulären Attacke der Islamisten auf das Intercontinental kamen laut Polizei mindestens zehn Zivilisten - darunter ein Spanier und ein Türke - ums Leben. Laut einem Taliban-Sprecher seien die ausländischen Hotelgäste Ziel des Angriffs gewesen. Die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF schlug die Attacke schließlich mit einem Kampfhubschrauber nieder.

In dem staatlichen Hotel, das nicht zur weltweiten Intercontinental-Kette gehört, hielten sich zu Beginn des Angriffs am Dienstagabend zahlreiche - auch ausländische - Teilnehmer einer für Mittwoch geplanten Konferenz zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen auf. Trotz strenger Kontrollen gelang es den Aufständischen, in das Gebäude einzudringen. Einem afghanischen Vertreter zufolge waren sie mit Sprengstoffgürteln, Raketen und Waffen ausgerüstet. Ein Taliban-Sprecher sagte, mehrere Attentäter mit automatischen Waffen und Sprengstoffwesten seien in das Hotel eingedrungen. Einer der Angreifer habe sich in die Luft gesprengt.

Fünf Stunden lang hielten sich die Angreifer in dem Hotel verschanzt und lieferten sich Kämpfe mit Sicherheitskräften. Augenzeugen berichteten von fünf Explosionen. Das Hotel lag in der Nacht völlig im Dunkeln, offenbar wurde der Strom gekappt.

Black-Hawk-Helikopter feuerte auf Angreifer
Bei der Operation gegen die Angreifer am Dach des Hotels wurde dann ein Kampfhubschrauber der NATO vom Typ Black Hawk eingesetzt. "Es ist vom Hubschrauber aus geschossen worden", erklärte der neue Sprecher der NATO-geführten Schutztruppe ISAF, General Carsten Jacobson. Dabei habe es sich aber um kleinkalibriges Feuer gehandelt, Raketen seien entgegen ersten Berichten nicht eingesetzt worden. Es sei aber unklar, ob die Aufständischen auf dem Dach durch den Beschuss aus dem Helikopter getötet wurden oder sich in die Luft gesprengt hätten. "Sie hatten offensichtlich Sprengstoffwesten an." Die ISAF sei in einer Unterstützerrolle gewesen, "die Operation selbst wurde von afghanischen Sicherheitskräften geführt", so der Sprecher.

Die Kämpfe seien mit dem Tod aller acht Angreifer zu Ende gegangen, hieß es in der Früh seitens der afghanischen Behörden. Bei den getöteten afghanischen Zivilisten handelte es sich laut Polizei überwiegend um Hotelangestellte. Auch ein Spanier ist unter den Opfern, laut dem Außenministerium in Madrid habe sich der Mann während des Angriffes im Hotel aufgehalten. Zudem kam bei der Attacke ein türkischer Pilot ums Leben, der im Hotel abgestiegen war. Im Lauf des Morgens durchsuchte die Polizei das Hotel Zimmer für Zimmer nach weiteren Opfern und um sicherzustellen, dass es keine weitere Bedrohung durch versteckte Angreifer gibt.

Afghanische Regierung und US-Außenamt empört
Präsident Hamid Karzai sprach von einem "skrupellosen Terrorakt". Das Innenministerium teilte mit: "Die Feinde von Frieden und Stabilität haben ein weiteres unverzeihliches und schändliches Verbrechen begangen." In Kabul hielt sich am Dienstag auch der US-Sondergesandte Marc Grossman auf, um Möglichkeiten für Friedensgespräche mit den Taliban auszuloten, wie das US-Außenamt mitteilte. Seine Delegation habe Afghanistan "sicher" wieder verlassen, erklärte das Ministerium, das den Angriff scharf verurteilte. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, betonte, die Tat demonstriere erneut, dass die Terroristen Menschleben vollkommen missachteten. Der Angriff ereignete sich wenige Wochen vor dem geplanten Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan.

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