03.05.2022 05:01 |

Deus Vayanne

Was steckt hinter dem Wiener 2200-PS-Boliden?

Der Deus Vayanne soll der stärkste, schnellste Elektro-Hypersportler der Welt werden. 2243 PS stark. Mindestens. Weltpremiere feierte er auf der New York Auto Show, gebaut wird er in Italien. Doch seine Heimat ist Wien. Hier trafen wir Adrian-Filip Butuca, Head of Design von Deus Automobiles.

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„Wir sagen nicht, dass der Vayanne der Beste von allen ist, er soll es einfach zeigen“, versucht sich Butuca in Bescheidenheit. Und in Weisheit: „Es ist doch das Streben jedes Menschen, der Beste zu sein.“

Williams sorgt für mächtige Leistungsdaten
Die Daten des Vayanne sind jedenfalls vielversprechend: Drei Motoren mit jeweils 750 PS, davon zwei an der Hinterachse, einer vorn, geben eine Gesamtleistung von 2243 PS ab. „Das ist der Wert, den der Formel-E-Simulator von Wiliams errechnet hat“, sagt Botuca. „Stand jetzt. Wenn sich die Technik ändert, kann es aber auch noch mehr werden.“ Williams ist einer der beiden Partner von Deus, von den Briten stammt u.a. der Antriebsstrang. Inklusive Technik und Knowhow aus der Formel E. Samt der 85-kWh-Batterie, die mit 350 kW Ladeleistung bei 800 Volt in 20 Minuten aufladbar sein soll. Den Standardsprint soll der Allradler in unter zwei Sekunden erledigen. Wie viel schneller als 400 km/h er fahren wird, steht noch nicht fest.

Italdesign baut 99 Stück
Der zweite Partner ist Italdesign Giugiaro in Turin. Hier entstanden Klassiker vom BMW M1 über den DeLorean DMC-12 bis zum Maserati Quattroporte III, aber auch VW Golf I, Fiat Panda und Seat Ibiza. Und der Italdesign Zerouno, ein auf fünf Exemplare limitierter Sportwagen, der 2017 vorgestellt wurde, mit dem 5,2-Liter-V10-Saugmotor aus dem Lamborghini Huracán.

Das Grunddesign reklamiert jedoch Adrian-Filip-Botuca für sich. Dabei ist er kein alter Hase des Automobildesigns, sondern Autodidakt: „Ich habe mir das 3D-Designen selbst beigebracht und immer weiter verfeinert. Irgendwann habe ich angefangen, den Vayanne zu gestalten. Am Anfang stand ein Quader am Bildschirm. Zwei Polimar-Kollegen haben mir geholfen.“ Da war Botuca noch nicht mal 18 Jahre alt.

Bubentraum verwirklicht
Er lebt den Traum jedes autobegeisterten Buben: Autos zu zeichnen und dann, kaum den Kinderschuhen entwachsen, einen Millionen Euro teuren Hypersportler auf die Straße zu bringen. „Es hat mich immer fasziniert, Technik in Design zu fassen.“ Sein Glück war, dass seine Familie beschloss, einen Hypersportler auf den Markt zu bringen. Mehr oder weniger aus dem Nichts, denn statt Autos haben die Butucas mit ihrer Firma Polimar eher mit Verpackungen und dem Gestalten von Medien zu tun. „Meine Familie ist 2010 aus Rumänien nach Wien gezogen, als ich acht war, ich bin hier aufgewachsen. Wien ist meine Heimat“, sagt Adrian-Filip Butuca und bezeichnet den Namen Vayanne als Hommage an die Stadt. Sein Design-Ansatz? „Ich liebe fluide Kurven, die in der Natur vorkommen.“

Geschäftstüchtig ist die Familie ganz offensichtlich, aber ohne Erfahrung in Sachen Automobilbau. Doch vielleicht sind Geld, Begeisterung und Kontakte viel wesentlicher. Und ein Spross, der Autos zeichnet.

„Ohne Italdesign könnte ich nie ein Auto auf die Straße bringen, von der konkreten technischen Umsetzung habe ich natürlich keine Ahnung“, bekennt Butuca. Dafür gibt es ja die Profis von Italdesign, die übrigens nicht nur Autos gestalten, sondern sich auch einen Namen in Industriedesign gemacht haben.

Projekt in trockenen Tüchern
Vor allem aber steht Italdesign beim Deus Vayenne für die Umsetzung. „Italdesign hat die Kapazitäten, 2025/2026 die geplanten 99 Stück des Deus Vayanne zu bauen.“ Auch die Finanzierung sei komplett gesichert. Ein Debakel wie beim groß angekündigten Sportwagen Milan, der in einem Betrugsskandal endete, ist nicht zu befürchten, auch wenn jedes derartige Projekt in Österreich seither erst einmal mit einer Art Generalverdacht kämpfen muss.

Für das dreistellige Millionenbudget sorgen Banken, ein Investmentfond und die Familie. Dafür, dass es sich auszahlt, der Markt und ein Kaufpreis zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro netto. „Wir haben von einer Consultingfirma das Marktpotential solcher Autos erheben lassen. Es steigt bis zum Jahr 2025 auf 2500 Stück pro Jahr.“ Das sind gute Aussichten, wenn die Qualität stimmt. Auch wenn reiche Russen wohl als Kunden ausfallen werden. „Das war da natürlich noch nicht berücksichtigt.“

Butuca ist zuversichtlich, dass die geplanten 99 Stück verkauft werden. „Die ersten Orders haben wir schon.“ Wie viele, verrät er aber nicht. „Immerhin sind wie exklusiver als der Mitbewerb. Zum Beispiel soll es vom Rimac Nevera und vom technisch baugleichen Pininfarina Battista jeweils 150 Stück geben.“

Ein Grund für seine Zuversicht: „Der Vayanne wird ein alltagstauglicher Sportwagen, mit einem Kofferraum, in den ein Golfbag passt, einem Frunk und mit zwölf Zentimeter Bodenfreiheit“, schwärmt er. Weder Tiefgaragenabfahrten noch Holperschwellen werden also zum Problem. Zumal das Fahrwerk ein Anheben beider Achsen um vier bis fünf Zentimeter erlauben soll. Voraussichtlich auch ein Absenken bei höherem Tempo.

Die Erwartungen sind hoch, das Auto niedrig: nur 1,19 Meter. Niedrig ist auch das Gewicht: 1,8 Tonnen, trotz des schweren Akkus und der Tatsache, dass der Deus Vayanne auf Komfort setzen soll. Denn man soll für ihn zwar viel Geld brauchen, aber eines nicht: Leidensfähigkeit.

Ob er der Beste ist, wird der Vayanne zeigen. Butuca ist - wenn der Wagen wirklich 2025 ausgeliefert wird - unter den erfolgreichen Designern jedenfalls sicher einer der Jüngsten.

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