Dann ist nur mehr das Schnüffeln von "Aiko" zu hören. Neben dem Wagen warten dessen Insassen auf dem Parkplatz der Ostautobahn (A4) geduldig, bis der Hund seine Arbeit verrichtet hat. An ihren Mienen lässt sich nicht erkennen, ob er etwas finden wird. Bei einer der beiden Flügel-Hecktüren schlägt Aiko an. Er ist sich sicher: Da ist etwas nicht so, wie es sein soll. Hödl lässt seinen Hund weitersuchen und sogar im Motorblock schnüffeln. Unterdessen beginnen seine Kollegen, die Polsterung an der Innenseite der Tür zu öffnen. Kurze Zeit später halten sie acht Stangen Zigaretten in den Händen.
Scanmobil für die größeren Fische
Der Chauffeur des Kleintransporters hat einfach Pech: Die Rauchwaren wollte er nur vor ungarischen Zöllnern verstecken. Ukrainern ist die Einfuhr von lediglich 25 Stück Zigaretten nach Ungarn gestattet. Durch Ungarn kommt er auch, doch dann gerät er kurz nach der österreichischen Grenze in den Schwerpunkt der heimischen Zöllner. Hätte er vorher die Glimmstängel aus dem Versteck geholt und auf seine sechs Mitfahrer - Erntehelfer auf dem Weg nach Kärnten - aufgeteilt, wäre es nur mehr eine Stange zu viel gewesen. So werden die Zigaretten dem Fahrer allein zugerechnet, was ihn 350 Euro kostet.
Der Zoll hat aber eigentlich größere Fische im Auge: In der Früh wird am Zollterminal Nickelsdorf das sogenannte Scanmobil, ein mobiles Röntgengerät, aufgebaut, mit dem die Beamten die Ladung von Schwerfahrzeugen durchleuchten können. "Im Prinzip ist das wie eine überdimensionierte Röntgenkontrolle am Flughafen", erklärt Herbert Weber, Leiter der Schwerpunktaktion.
Pro Tag werden etwa 3.000 Lkws durch die Zollstelle in Nickelsdorf gelotst. Am Donnerstag entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Geschätzte 150 Meter vor der Kontrollstelle steht eine Zöllnerin und sieht sich die Frachtpapiere der Fernfahrer an. Dann deutet sie in die linke oder rechte Spur. Nach welchem Kriterium die Lastwagen ausgewählt werden? "Ich sehe mir die Papiere an und rede mit den Fahrern. Wenn mir etwas komisch vorkommt, schicke ich ihn zur Kontrolle. Vielleicht ist es Gespür", sagt sie. Die Glücklichen sind links: Sie dürfen weiterfahren. Rechts heißt: anstellen zur Kontrolle.
Lkw-Lenker warnen einander mittels Funk
Mit vier Stundenkilometern rollen die Lastwagen durch die Röntgenschranken des sogenannten Scanmobils. In einem 7,5-Tonnen-Lkw wird das Röntgengerät transportiert, und dort sitzt auch ein Zöllner, der sich die Ladung auf zwei Schirmen ansieht. Hat er einen Lkw kontrolliert und nichts gefunden, gibt er seinen Kollegen draußen per Funk Bescheid, dass das Schwerfahrzeug weiterfahren kann. In der Früh wird niemand erwischt. Später werden die Karten für die Zöllner schlechter: "100 Meter hinter der Grenze funken sie schon, dann wissen alle Bescheid. Später fahren nur mehr die Dodeln", meint ein Beamter.
Überhaupt sind Großaufgriffe - ganze Lkws voll mit Zigaretten, versteckt hinter einer Tarnladung - selten geworden, so Weber. Aber auch in kleinere Fahrzeuge passt so einiges hinein: In einem Alfa Spider entdeckten die Zöllner kürzlich 550 Stangen Zigaretten. Auch einen Audi TT hat man schon erwischt.
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