Aufhören mit iCoach

EU verbrennt 15 Millionen für Anti-Rauch-Kampagne

Ausland
16.06.2011 14:46
Nachdem die Verbotskette zunehmend erschöpft ist, will die EU-Kommission den europäischen Rauchern die Abkehr von ihrem Laster jetzt mit einer Motivationskampagne schmackhaft machen. Die Initiative richtet sich vor allem an junge Raucher - u.a. via Facebook - und soll die positiven Aspekte des Ausstiegs hervorheben. Kosten für das "Raucher-Weichspülprogramm": Im ersten Jahr 15,3 Millionen Euro, finanziert von der Kommission. Drei Jahre soll die Kampagne laufen. Und ausgerechnet die finanziellen Aspekte des Rauchens werden zum Thema gemacht.

Der aus Malta stammende EU-Gesundheitskommissar John Dalli erklärte beim Start der Kampagne am Donnerstag in Brüssel, mehr als 650.000 Menschen würden pro Jahr in der EU an den Folgen von Zigarettenkonsum frühzeitig sterben. "Ich bin sicher, die Kampagne wird Rauchern dabei helfen zu verstehen, dass sie durch das Aufhören viel gewinnen können", sagte er.

Rauchen kostet Geld, Kampagnen auch
Die Initiative mit dem Titel "Ex-smokers are unstoppable" (für den deutschsprachigen Raum lautet der Slogan "EX Raucher sind nicht aufzuhalten") soll Rauchern vor allem die "gesundheitlichen und finanziellen Vorteile des Aufhörens" verdeutlichen. Dies sei "einzigartig" im Vergleich zu anderen Kampagnen, findet die Kommission. Erreicht werden sollen die Betroffenen über Werbung, soziale Netzwerke wie Facebook und diverse Veranstaltungen.

Die Kampagne hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird ausschließlich durch die Kommission finanziert. Das Budget für die Initiative beträgt für das erste Jahr 15,3 Millionen Euro, was den steuerzahlenden Rauchern dann ein weiteres Mal die finanziellen Belastungen des Tabakkonsums vorführen sollte.

Dalli erklärte, dass man zum Ausstieg jede Motivation und Hilfestellung brauche, die möglich ist: "Als Ex-Raucher weiß ich, wie hart es ist." Er lade alle Raucher ein, zum Ex-Raucher zu werden und zu sehen, "um wie viel besser das Leben dann ist". In den 27 Mitgliedsländern raucht eine von drei Personen.

"iCoach" soll Rauchern Aufhör-Tipps geben
Konkrete Hilfestellung soll auch ein "Gesundheits-Trainer" im Internet bieten. Der sogenannte "iCoach" wurde von einer belgischen Werbeagentur erstellt und ist in allen Sprachen der Mitgliedsländer verfügbar. Über die Plattform kann man seine Rauchgewohnheiten eingeben, das Tool soll dem Nutzer dann täglich maßgeschneiderte Ratschläge bieten. Dalli betonte, dass die Kampagne nur ein Teil der Bemühungen der Kommission gegen das Rauchen darstelle und verwies etwa auf bestehende Einschränkungen der Tabakwerbung. 

Gefragt, ob er sich eine EU-weite Harmonisierung der Rauchverbote in Gaststätten vorstellen könnte, betonte der Kommissar einmal mehr die Verantwortung der Einzelstaaten. Dies habe bisher sehr gut funktioniert. Vor allem deswegen, weil die EU-Kommission bisher mit all ihren Vorstößen für ein europaweites Rauchverbot gescheitert ist.

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