Auch Private betroffen

Gasboykott wäre für Kärntens Industrie dramatisch

Kärnten
02.04.2022 05:50
Rollt der Rubel, strömt das Gas? Boykottiert Europa das Gas aus Russland oder dreht Kreml-Herrscher Putin dem Westen das Gas ab? Existenzielle Fragen, die auch in Kärnten gestellt werden. Vor allem von der Industrie, aber auch von privaten Abnehmern, die in Summe jährlich 1,5 Terawattstunden Erdgas benötigen.

Schauen wir uns eingangs an, wie das begehrte und benötigte Gas überhaupt nach Kärnten kommt. Es wird aus der russischen Erde entweder durch die Nord-Stream-1-Pipeline oder durch jene quer durch die Ukraine nach Baumgarten bei Wien gepumpt. Dort zweigen die Leitungen in die Bundesländer ab, bei uns übernimmt die Kärnten Netz, eine Tochter der Kelag, die Verteilung zu den Kunden.

Kärnten benötigt jährlich 1,5 Terawattstunden
Danny Güthlein, der kaufmännische Vorstand der Kelag: „Zu drei Vierteln wird das Gas in Kärnten von der Industrie gebraucht, zu einem Viertel aber auch für private Heizungen. In Summe hat Kärnten im Jahr einen Bedarf von 1,5 Terawattstunden Gas.“ Zur Erklärung: Das sind 1,5 Milliarden Kilowattstunden.

Wer sind nun die großen Industriebetriebe, die von russischem Gas abhängig sind? Unter anderen sind es jene Unternehmen, die bei ihren Produktionen hohe Temperaturen brauchen. Es verschanzt sich zwar jeder hinter dem Datenschutz, trotzdem sind die Namen rasch klar: RHI Magnesita in Radenthein, Infineon in Villach, die Treibacher, Evonik in Weißenstein und Fundermax in St. Veit.

Zitat Icon

Österreich und Deutschland sollten keinen Gasboykott machen. Das wäre dramatisch. Bei uns ist die Industrie stark von Gas abhängig.

Kelag-Vorstand Dipl.-Kfm. Danny Güthlein

Folgen eines Produktionsausfalls
RHI-Boss Stefan Borgas hat in einem Interview mit „factorynet.at“ die Folgen eines Produktionsausfalls so beschrieben, man könnte von einer Kettenreaktion sprechen: „Unsere Feuerfest-Produkte sind die Basis für Stahl, Zement, Glas und Kupfer und vieles mehr.“ Und doch wäre die Industrie zu allererst betroffen, das entscheidet aber der Bund. Kelag-Vorstand Manfred Freitag: „Wenn Gas ausbleibt, ist die Verteilung verbleibender Mengen Bundessache. Privathaushalte haben aber immer Vorfahrt.“

Gasboykott wäre dramatisch
Für Danny Güthlein ist die Lage klar: „Es wäre dramatisch. Deutschland und Österreich sollten keinen Gasboykott machen.“ Denn, und das wird gerne vergessen: An großen Industriebetrieben hängen sehr oft Fernwärmenetze der Gemeinden. Die würden auch kalt bleiben, wenn die Fabrik ohne Gas stehen würde. Noch bleibt man bei der Kärnten-Netz locker: „Die Lage ist beunruhigend, aber nicht schlimm.“

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