"Ein Privileg"

UNO-Chef Ban Ki-Moon kandidiert für zweite Amtszeit

Ausland
06.06.2011 21:47
UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon strebt eine zweite Amtszeit an der Spitze der Vereinten Nationen an. Der 66-jährige Südkoreaner gab am Montag in New York seine Kandidatur bekannt. Kurz zuvor hatte ihm die asiatische Staatengruppe bei der Weltorganisation ihre Unterstützung zugesagt.

"Ich habe heute früh ein Schreiben an die Mitglieder der Vollversammlung und des Sicherheitsrates verfasst und demütig angeboten, mich für eine zweite Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen in Betracht zu ziehen", erklärte Ban vor Journalisten. "Es war ein ungeheures Privileg, diese große Organisation zu leiten."

Die Vereinten Nationen könnten stolz darauf sein, was sie in den vergangenen viereinhalb Jahren erreicht habe, sagte Ban. Maßnahmen gegen den Klimawechsel seien zur globalen Priorität geworden. Die Welt habe schnell und wirksam auf verheerende humanitäre Krisen reagiert. Kritik von Journalisten musste er sich trotzdem gefallen lassen. Seine zwei größten Wahlversprechen von 2006 habe er nicht eingehalten: Weder sei das angekündigte globale Klimaabkommen zustande gekommen noch der Frieden in Darfur. Auch die zugesagte Reform des schwerfälligen UN-Kolosses sei bisher kaum spürbar.

Kurz vor der Bekanntgabe hatte die asiatische Staatengruppe dem Südkoreaner ihr Vertrauen ausgesprochen. Frankreich schloss sich als eines der ersten Länder an. "Das ist eine sehr gute Nachricht, über die ich mich freue", ließ Außenminister Alain Juppé mitteilen. Ban Ki-Moon habe in Krisenzeiten Mut und Entschlossenheit unter Beweis gestellt und in seiner ersten Amtszeit stets alles für die Vereinten Nationen gegeben. Der Südkoreaner sei sehr erfahren und habe die volle Unterstützung Frankreichs.

Keine Feinde, aber auch keine Fans
Nach Ansicht diplomatischer Beobachter sind mit Bans Kandidatur die Würfel für die Führung der mächtigen Weltorganisation bis Dezember 2016 gefallen. Denn die Wiederwahl des UN-Generalsekretärs hat Tradition, mit der in der Vergangenheit nur wenige Male gebrochen wurde. Außerdem hat der Spitzendiplomat aus Südkorea keine Feinde. Richtig begeistert ist aber auch niemand von ihm.

"Ich bin als unsichtbarer Mann bekannt", scherzte der blasse Spitzendiplomat einmal im Interview mit dem "Wall Street Journal". Als wolle er diesen Eindruck korrigieren, suchte Ban in den ersten viereinhalb Jahre seiner Amtszeit das Scheinwerferlicht, wo er nur konnte. Neben dem täglichen Handshake mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt ließ er keine Gelegenheit aus, sich in Pose zu stellen. Bei einem Besuch am Nordpol, der seinen Ruf als oberster Klimawächter untermauern sollte, ließ sich Ban kontrastbewusst im leuchtend roten Anorak ablichten.

Gönnt sich nur selten Verschnaufpausen
Mitarbeiter in Seoul, wo Ban den Posten des Außenministers bekleidet hatte, beschrieben ihn als ehrgeizigen und arbeitsamen Beamten, der sich nur selten Urlaub gönnt. Auch als Generalsekretär gönnt er sich wenige Verschnaufpausen. Ban ist deutlich mehr auf Achse, um in aller Welt nach dem Rechten zu sehen, als sein Vorgänger Kofi Annan. Im Vergleich zu dem charismatischen Afrikaner wirkt der Asiate aber trotz Trainings in den vergangenen Jahren noch immer steif.

Wegen seiner höflichen und bemüht verbindlichen Art hatte sich Ban daheim den Spitznamen "Glatter Aal" verdient. In New York bemühte er sich mit gemischtem Erfolg, dem Eindruck des konturlosen "Softies" zu begegnen. "Höflichkeit ist in Asien eine Tugend", sagt er. "Aber sie gilt für das Auftreten, nicht für Engagement und Führungsstärke."

Als Botschafter in Österreich
Der im Juni 1944 in einfachen Verhältnissen geborene Ban fing 1975 zunächst als Mitarbeiter bei den Vereinten Nationen an, bevor er Direktor der südkoreanischen Vertretung am UN-Hauptsitz in New York wurde. 1998 bis 2000 war er Botschafter seines Landes in Österreich. Während der 56. UN-Generalversammlung 2001/2002 stand er dem damaligen Präsidenten des Plenums, Han Seung Soo, als Chef des Exekutivbüros zur Seite.

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