Mi, 20. Juni 2018

"Nakba-Tag"

15.05.2011 19:01

Mehrere Tote bei Sturm auf die Grenzen Israels

Bei Protesten zum Jahrestag der israelischen Staatsgründung ist es am Sonntag zu gewaltsamen Zusammenstößen an den Grenzen des Landes zu Syrien und dem Libanon gekommen. Dabei erschossen israelische Truppen mindestens acht Palästinenser. Die Sicherheitskräfte feuerten an drei Orten auf Demonstranten, die gegen die Staatsgründung 1948 protestierten und dabei versuchten, die Grenze zu überschreiten. Dem syrischen Staatsfernsehen zufolge waren vier der Getöteten Staatsbürger Syriens. Es handelt sich um den schwersten Zwischenfall dieser Art seit Jahren.

Im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 63 Jahren waren mehr als 760.000 Palästinenser zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen. Radikal-islamische Gruppierungen hatten zum palästinensischen "Nakba-Tag" (Tag der Katastrophe) zum Marsch auf die israelischen Grenzen aufgerufen.

Israelische und syrische Medien berichteten, Soldaten hätten vier Menschen erschossen, nachdem Dutzende palästinensische Flüchtlinge von Syrien aus auf die von Israel besetzten Golanhöhen vorgedrungen seien. An der Grenze zum Libanon wurden nach Zeugenangaben ebenfalls vier Demonstranten erschossen, die Steine geschleudert hatten. Die libanesische Armee habe zuvor bereits in die Luft geschossen, um die Demonstranten vom Übertreten der Grenze abzuhalten.

Die Zusammenstöße auf den Golanhöhen ereigneten sich im Einsatzbereich des österreichischen Bataillons der UNO-Truppe, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, bestätigte. Bundesheertruppen seien jedoch nicht involviert und auch nicht Augenzeugen des Vorfalls gewesen.

Absperrungen in Gaza durchbrochen
Im Gazastreifen durchbrachen palästinensische Demonstranten am Sonntag Absperrungen der dort herrschenden Hamas und drangen bis zum israelischen Erez-Kontrollpunkt vor. Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten wurden nach Angaben von Sanitätern knapp 70 Menschen verletzt.

Auch an einigen Militärsperren im Westjordanland und in Ostjerusalem kam es zu Krawallen. Am Qalandia-Grenzübergang bei Ramallah warfen palästinensische Demonstranten Steine auf Soldaten, diese setzten Tränengas gegen die Menge ein. An Ägyptens Grenze zum Gazastreifen blieb es am Sonntag hingegen ruhig. Die Behörden hatten bereits im Vorfeld Kundgebungen am Grenzübergang Rafah oder dessen Überquerung untersagt.

Gedenkveranstaltung zum "Nakba-Tag"
Die zentrale Gedenkveranstaltung der Palästinenserbehörde von Präsident Mahmoud Abbas zum "Nakba-Tag" begann zu Mittag in Ramallah. Tausende Menschen marschierten vom Präsidentenamt zum zentralen Manara-Platz. Die Sirenen heulten im Gedenken an die palästinensischen Flüchtlinge, die vor 63 Jahren ihre Heimat verloren. Teilnehmer der Kundgebung trugen palästinensische und schwarze Flaggen. "Es gibt keine Alternative zur Rückkehr in die Heimat", hieß es in Schriftzügen. Einige Demonstranten trugen einen großen hölzernen Schlüssel als Symbol für den Wunsch nach Rückkehr in die verlorenen Häuser.

Ismail Haniyeh, Führer der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, drückte seine Hoffnung auf ein "Ende des zionistischen Projekts in Palästina" aus. Haniyeh bekräftigte während einer Ansprache, seine Organisation werde den Staat Israel weiterhin nicht anerkennen.

Lkw rast in Menschenmenge
In der israelischen Wirtschaftsmetropole Tel Aviv kam unterdessen ein Mensch ums Leben, als ein israelischer Araber mit einem Lkw in Autos und Fußgänger raste. 17 Menschen wurden bei dem Zwischenfall verletzt. Die Polizei ermittelt derzeit, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelt. Zeugen sprachen von einer Amok-Fahrt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung: "Ich bedaure, dass es unter den israelischen Arabern und unseren Nachbarn Radikale gibt, die den israelischen Unabhängigkeitstag in einen Tag der Kriegshetze und des Zorns verwandeln." Israel hatte aus Angst vor Anschlägen und Ausschreitungen zum Jahrestag der Staatsgründung Tausende Polizisten mobilisiert.

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