Do, 13. Dezember 2018

Wellenkamm rollt

09.05.2011 15:40

Mississippi-Anrainer bereiten sich auf Jahrhundertflut vor

Es ist ein Warten auf die große Flut: Eine Woche nach der Tornadoserie im Mittleren Westen und Süden der USA rüsten sich die Anrainer von Tennessee bis Louisiana jetzt für die nächste Katastrophe. Am Mississippi droht eine Jahrhundertflut, Tausende Menschen sind auf der Flucht vor den Wassermassen. Laut der US-Wetterbehörde NOAA wird der Fluss auf bis zu 19,5 Meter steigen. Dieser Wellenkamm werde alle bisherigen Fluten am "Old Man River" überragen.

Viele Bewohner von Memphis, Tennessee, blicken mit großer Sorge auf den Mississippi. Hier soll der "Old Man River" als Erstes ernsthaft zuschlagen, nachdem er die oberhalb gelegenen Staaten Illinois, Missouri und Kentucky weitgehend verschonte.

Durch den heftigen Niederschlag, die Tornados und eine unüblich schnelle Schneeschmelze führt der zehn Bundesstaaten berührende bzw. durchkreuzende Fluss so viel Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Vergangene Woche sind bereits zwei Dämme - in den nördlicheren Bundesstaaten Illinois und Missouri - gesprengt worden, um den Fluss zu entlasten.

Land unter in Memphis
Auf knapp 15 Meter könnte das Wasser nun in Memphis bis Mitte der Woche steigen. Auf ihrem Weg in den Süden hat die langsam, aber mit schier unbändiger Macht dahinrollende Flutwelle bereits kleinere Orte und Felder geflutet. Auch die tiefer gelegenen Viertel von Memphis stehen bereits unter Wasser, die ersten 400 Bewohner wurden am Montag in Notunterkünften untergebracht.

Mit Booten paddeln Familien davon und ließen ihr Hab und Gut zurück. "Die Leute sehen der Realität ins Gesicht", sagte Alvin Pearson, Manager eines Busunternehmens in Memphis. "Immer mehr rufen uns an und erkundigen sich nach unseren Routen."

Bürgermeister: "Wir sind bereit"
Der Bürgermeister der Musikmetropole zeigt sich indes zuversichtlich: "Wir hatten nicht viel Zeit, aber wir sind bereit", sagt AC Wharton. Seine Mitarbeiter schickte er in den gefährdeten Vierteln am Wochenende von Tür zu Tür. "Seit Katrina wissen wir, dass es nicht reicht, einfach im Radio etwas durchzusagen", so Wharton.

150 Armeekräfte patrouillierten seit mehreren Tagen entlang der Dämme und kontrollierten rund um die Uhr die Entlastungspumpen. "Es gibt keinen Grund, diesen Dämmen zu misstrauen", erklärt Oberst Vernie Reichling vom Armeekorps der Ingenieure, das in den USA für den Hochwasserschutz zuständig ist.

Riskante Entlastung in New Orleans
Ganz im Süden, in New Orleans, öffneten Soldaten am Wochenende vorsorglich einen Ablauf des Flusses, um für Entlastung zu sorgen. Die ist allerdings riskant und geht auf Kosten der Natur: Das Wasser wird in den Lake Pontchartrain geleitet und fließt von dort in den Golf von Mexiko. Das Mississippi-Wasser, fürchten Naturschützer, könnte den fischreichen See zum Kippen bringen.

Weiter stromaufwärts, im Bundesstaat Kentucky, kehrten derweil viele der etwa 4.000 Flutvertriebenen schon wieder in ihre Häuser zurück. "Wir haben den Fluss nicht besiegt, aber er uns auch nicht", sagte ein Bewohner der kleinen Stadt Hickman. Mehrere Tage hatten Einheimische mithilfe von 120 Gefängnisinsassen dort einen rund 20 Kilometer langen Schutzwall aus Sandsäcken errichtet, um die Dämme zu stützen. Als das Wasser Hickman passierte, hielten die Dämme dem Druck des "Old Man River" stand.

Schlimmer als Katastrophen-Flut 1927?
Die drohende Überschwemmung könnte nach Befürchtungen der Meteorologen schlimmer werden als die verheerenden Fluten von 1927 und 1937. Bei der Katastrophe von 1927 kamen Hunderte Menschen ums Leben, 700.000 Betroffene mussten ihre Häuser verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Eine Fläche von 70.000 Quadratkilometern in den Bundesstaaten Arkansas, Illinois, Kentucky, Louisiana, Missouri und Tennessee wurde überschwemmt.

Der Mississippi ist mit knapp 3.800 Kilometern einer der längsten Flüsse der Welt. Er entspringt im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota, fließt durch den mittleren Teil der Vereinigten Staaten und mündet in den Golf von Mexiko.

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