Fr, 22. Juni 2018

Angriff auf Bin Laden

09.05.2011 09:33

Obama spricht über "längste 40 Minuten meines Lebens"

In seinem ersten ausführlichen Fernsehinterview seit der Tötung Osama bin Ladens vor einer Woche hat US-Präsident Barack Obama in der CBS-Sendung "60 Minutes" über den tödlichen Angriff auf den Topterroristen gesprochen. "Es waren die längsten 40 Minuten meines Lebens", erzählte er erstmals, wie er die Aktion per Bildschirm im Situation Room des Weißen Hauses mitverfolgte (siehe Bilder).

Nur als seine kleine Tochter Sasha im Alter von drei Monaten Meningitis hatte, sei er ähnlich angespannt gewesen, gestand der US-Präsident in der CBS-Sendung "60 Minutes". Seine erste Sorge habe den Einsatzkräften gegolten und der Frage: "Wenn ich sie reinschicke, wie kann ich sie auch wieder herausholen?"

Die Erleichterung sei sehr groß gewesen, als die Einsatzkräfte aus dem Gebäude herauskamen und verkündeten: "Geronimo (der Deckname Bin Ladens, Anm.) ist getötet worden." Obama erklärte, nur die wenigsten Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten von den Plänen gewusst - auch nicht seine Familie. Die Chance, den Einsatz erfolgreich zu beenden, sei 55 zu 45 gestanden. Es sei nicht sicher gewesen, dass Bin Laden sich zu dem Zeitpunkt in dem Haus aufhielt.

"Es war es wert, das politische Risiko zu tragen und das Risiko für unsere Männer", sagte Obama. Mit dem Vorwurf, dass bei der Aktion Menschen getötet worden seien, komme er klar. "So nervös ich während des ganzen Prozesses war: Die Tatsache, die mir am wenigsten den Schlaf geraubt hat, war die, dass wir Bin Laden ausgeschaltet haben."

"Chance auf fatalen Schlag"
Der US-Präsident bezeichnete die Tötung des Al-Kaida-Chefs sowie den Fund von Dokumenten in seinem Versteck als Chance, dem Terrornetzwerk einen "fatalen Schlag" zu versetzen. "Dies bedeutet nicht, dass wir den Terrorismus besiegen werden", sagte Obama. Al-Kaida habe auch in anderen Teilen der Welt "Metastasen" gebildet, die angegriffen werden müssten. "Doch es bedeutet, dass wir eine Chance haben, so denke ich, dieser Organisation einen wirklich fatalen Schlag zu versetzen, wenn wir in den nächsten Monaten aggressiv fortfahren."

Obama verstärkt Druck auf Pakistan
Gleichzeitig verstärkte Obama den Druck auf Pakistan. Eine Woche nach dem tödlichen Angriff forderte Obama die Regierung in Islamabad auf, die Helfer des Topterroristen zu ermitteln. "Wir glauben, dass es ein Unterstützer-Netzwerk für Bin Laden in Pakistan gegeben hat." Unklar sei, ob Bin Ladens Helfer aus dem Kreis der Regierung stammten. "Das ist etwas, was wir untersuchen müssen, und noch wichtiger: was die pakistanische Regierung untersuchen muss." Islamabad habe signalisiert, an der Aufklärung ein starkes Interesse zu haben. Dies sei jedoch keine Frage von drei oder vier Tagen. "Es wird uns einige Zeit kosten, die Geheiminformationen auszuwerten, die wir vor Ort sammeln konnten", sagte Obama.

Am Montag will sich Pakistans Premier Yousuf Raza Gilani im Parlament in Islamabad zu dem US-Einsatz gegen Bin Laden äußern. Seine Regierung ist wegen des eigenmächtigen Vorgehens der USA auf pakistanischem Territorium unter innenpolitischen Druck geraten. Gilani wird vorgeworfen, die Souveränität seines Landes nicht geschützt zu haben. Selbst aus der eigenen Volkspartei PPP gibt es Rücktrittsforderungen an ihn und Präsident Asif Ali Zardari.

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