17.01.2022 06:00 |

Noch ein Wunsch

102-jährige Uromi will Österreicherin sein

Die 102-jährige Südtirolerin Hermine Orian hat noch einen großen Wunsch, bevor sie aus ihrem langen, erfüllten Leben scheidet. Sie möchte als Österreicherin sterben. Doch die Behörden bleiben stur. Auch die hohe Politik hat taube Ohren.

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1919 wurde Hermine Orian im idyllischen Dorf Kurtatsch an der Südtiroler Weinstraße als Älteste von sechs Kindern geboren. Damals gehörte Südtirol staatsrechtlich zu (Deutsch-)Österreich. Ihr Leben spiegelt ein Stück Zeitgeschichte wider.

Mit der Machtergreifung der Faschisten in Italien 1922 begann südlich des Brenners eine gewaltsame Assimilierungspolitik. Bereits als Teenager hat die junge Frau trotz strikten Verbots im Geheimen ihre Muttersprache gelehrt. In den sogenannten Katakombenschulen wurden insgesamt 30.000 Mädchen und Buben auf Deutsch unterrichtet. Die Lehrerinnen, getarnt als Bäuerinnen, trafen sich nach dem Unterricht in den italienischen Volksschulen mit den Kindern nachmittags auf Bauernhöfen oder in Gasthäusern zum Deutschlernen. Wenn eine Schule verraten wurde, mussten Pädagogen und Eltern mit hohen Geldstrafen, Freiheitsstrafen oder Verbannung rechnen.

Hermine Orian hatte Glück. Denn die Carabinieri in ihrem Ort, alles Süditaliener, waren nicht gut zu Fuß im gebirgigen Gelände. Dank mutiger Menschen wie Hermine Orian und vielen anderen, die bereits verstorben sind, konnten die Deutschsprachigen ihre kulturelle Identität bewahren.

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Es wäre ein großartiges menschliches Zeichen der Republik an Frau Orian, ihr noch zu Lebzeiten den rot-weiß-roten Pass zurückzugeben.

Alois Wechselberger, Andreas-Hofer-Bund

„Es ist mein Wunsch, als Österreicherin zu sterben“
Erst viel später war sie offiziell als Lehrerin tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann Alfons, der einen Posten als Gemeindesekretär in Schenna bei Meran bekam, betrieb die zweifache Mutter eine Pension und erlebte den wirtschaftlichen Aufstieg Südtirols mit. Heute ist die 102-jährige Uroma. Frau Orian wünscht sich vor ihrem Tod nichts sehnlicher als einen rot-weiß-roten Pass.

„Ich bin als Österreicherin geboren, und es ist mein Wunsch, als Österreicherin zu sterben“, sagt sie seit Jahren. Doch die hohe Politik bleibt stur. Nur der Andreas-Hofer-Bund hat ein offenes Ohr. Gründe für eine Ablehnung der Verleihung, wie schwere Straftaten, Finanzverbrechen, terroristische Aktivitäten oder Versuche, die österreichische Demokratie zu schädigen, liegen in ihrem Fall nicht vor

Martina Münzer-Greier
Martina Münzer-Greier
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