07.01.2022 16:03 |

Interview

„Unternehmer über Förderungen verwundert“

Im Gespräch mit der „Krone“ erklärt Volkswirt Norbert Wohlgemuth die Insolvenzzahlen 2021.

Die „Krone“: In Kärnten sind die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2021 um 23 Prozent gesunken. Wo verorten Sie die Gründe für diesen überraschenden Rückgang?
Volkswirt Norbert Wohlgemuth: Der Rückgang der Insolvenzen ist vor allem auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung zurückzuführen – aber nicht bei Zahlungsunfähigkeit. Die Insolvenzzahlen dürften sich aber wieder normalisieren, da die Aussetzung Mitte 2021 ausgelaufen ist.

Spielen die Corona-Förderungen auch eine Rolle in dieser Entwicklung?
Im internationalen Vergleich haben wir in Österreich äußerst großzügige Coronahilfen. Das hat selbst viele Unternehmer verwundert. Es ist aber wichtig, dass diese jetzt auslaufen. Dadurch kam es auch zu einer Verschleppung von Insolvenzen. Es wurden Unternehmen gefördert, die ohnehin nicht überlebt hätten. Das Tilgen der dadurch entstandenen Staatsschulden ist wieder eine eigene Sache.

Was könnten die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in den einzelnen Kärntner Bezirken sein?
Die Kärntner Wirtschaft ist generell durch einen ausgewogenen Branchenmix, besonders von Industrie und Tourismus, geprägt. Das führt dazu, dass die Zahl der Insolvenzen pro 1000 Unternehmen unter dem österreichischen Schnitt liegt. Und das führt auch zu den regionalen Unterschieden in den einzelnen Bezirken.

Bei den Privatinsolvenzen gibt es einen Rückgang um 10,3 Prozent. Haushalten die Kärntner besser als in den Jahren zuvor?
Das ist eher unwahrscheinlich. Auch hier kommen wieder die Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen zum Tragen, die eine stärkere Zunahme der Arbeitslosigkeit verhindert haben. Seit Ende 2021 gibt es wieder eine Zunahme, die mit der Reform des Insolvenzrechts und der damit verbundenen Möglichkeit einer schnelleren Entschuldung erklärt werden kann. Im Gegensatz zum Unternehmensbereich liegen die Insolvenzen pro 10.000 Privatpersonen in Kärnten etwas über dem bundesweiten Durchschnitt.

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