07.01.2022 07:29 |

Trotz Corona-Pandemie

Insolvenzstatistik: keine Pleitewelle in Kärnten

Kärnten schneidet in der Insolvenzstatistik für das Jahr 2021 positiv ab. Das Bild wird aber durch Covid-Förderungen verzerrt. Die Coronapandemie brachte in den vergangenen zwei Jahren viele Unternehmen ins Straucheln. Durch staatliche Hilfen konnte aber eine Pleitewelle verhindert werden. Doch 2022 befürchten Experten wieder einen Anstieg der Konkurse. Und davon werden nicht nur Betriebe betroffen sein, sondern auch Private.

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Positiv entwickelt haben sich im Jahr 2021 die Insolvenzzahlen bei den Unternehmen. In Kärnten gingen die Firmenpleiten um 23 Prozent zurück – österreichweit war es nur ein Prozent. 2020 legten 183 Kärntner Unternehmen eine Pleite hin, 2021 waren es dann 141. Diese Zahlen müssten Politiker und Wirtschaftsexperten eigentlich positiv stimmen, gäbe es dabei nicht einen Haken.

Denn wirft man einen Blick zurück ins Jahr 2021, dann zeigt sich: Viele Unternehmen wurden durch die Corona-Fördermaßnahmen der Bundesregierung künstlich am Leben gehalten. Schon gegen Jahresende stiegen die Firmeninsolvenzen österreichweit wieder an. „Ein Grund für diese Normalisierung ist das Auslaufen der Stundungen durch die Gebietskrankenkassen und des Finanzamtes“, erklärt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform: „Diese Institutionen stellten wieder vermehrt Anträge auf eine Insolvenzeröffnung.“

Fakten

  • 33 Unternehmensinsolvenzen verzeichnete die Stadt Klagenfurt im vergangenen Jahr.
  • 2020 waren es noch 54 Firmenpleiten gewesen.
  • Im Jahr 2021 mussten 556 Kärntner Privatinsolvenz anmelden. (-10,3 Prozent)
  • Am 1. Juli 2021 trat ein neues Insolvenzrecht in Österreich in Kraft.

Kärntner Unternehmen unter den Top 10
Unter den größten Firmenpleiten im abgelaufenen Jahr befindet sich auch ein Kärntner Unternehmen. Mit 24,8 Millionen Euro Schulden musste im vierten Quartal der Photovoltaikproduzent Energetica in Liebenfels Konkurs anmelden – wir berichteten. 112 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Im Dezember wurde dann bekannt, dass der Betrieb vorerst weitergeführt werden kann und das Unternehmen saniert werden soll. Der Kärntner Betrieb reihte sich damit auf Platz sieben der Top-10-Insolvenzen in Österreich. Platz eins in diesem unrühmlichen Ranking geht an das niederösterreichische Unternehmen Eyemaxx Real Estage, mit minus 165,2 Millionen Euro.

Trügerischer Schein bei den Privatinsolvenzen
Bis in den Hochsommer gingen die Privatinsolvenzen österreichweit stark zurück. Auch hier zeichnet sich ein ähnliches Bild wie bei den Firmenpleiten ab. Kurzarbeit und die sich rasant erholende Wirtschaft sorgten auf dem österreichischen Arbeitsmarkt für Entspannung. Aber nach dem Sommer wendete sich das Blatt.

Im vierten Quartal 2021 erreichte Österreich fast schon wieder das Vorjahresniveau. Trotzdem bilanzierte Kärnten positiv. 620 Kärntner mussten 2020 Privatkonkurs anmelden, 2021 waren es 556. „Die Verteuerung vieler Lebensbereiche wie Wohnen und Energiekosten werden im kommenden Jahr aber zu einem Anstieg der Privatinsolvenzen führen“, ist Weinhofer überzeugt. Damit dürften die Jahre der sinkenden Zahlen bei Privatpleiten endgültig vorbei sein.

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