Pommers Feierabend

Wien darf nicht Oberösterreich werden!

Pommer am Abend
10.11.2021 14:12

Einen schönen Mittwochabend.

Sie haben bestimmt ein geordnetes Leben, in meiner Alltags-Schussligkeit sage ich oft von Montag bis Samstag zu mir: „Michael, du musst bald einkaufen gehen.“ Im Kühlschrank liegt nur noch eine Flasche Pommery (was ein y alles ausmachen kann), darunter Schimmelkäse, der früher einmal ein Gouda war, etwas Salat (oder ist das Moos?) und Butter aus der Milchpackung. Geh endlich einkaufen! Aber dann ist zu viel zu tun, ich bin abgelenkt, zu faul oder vergesslich, und am Sonntag stehe ich hungrig vor der offenen Kühlschranktür und dem beleuchteten Nichts und ärgere mich: Das kam aber überraschend, denke ich mir, ich habe den Kühlschrank doch genau beobachtet. So in etwa lässt sich auch das Coronamanagement der oberösterreichischen Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) beschreiben, für die jeder Tag Sonntag ist.

Ich habe mir heute ihr, nennen wir es Interview im Ö1-Morgenjorunal angehört. Oberösterreich ist ja momentan der Corona-Ground-Zero Österreichs, mit einer Inzidenz von mehr als 1000 und der geringsten Immunisierungs-Quote. Sonntag hatten all jene, die sich impfen lassen wollten, meinen Kühlschrank-Moment: Der Hunger wäre da, bloß es gibt kein Essen. Nur eine einzige Impfstation hatte geöffnet. „Wir beobachten die Zahlen sehr genau“, hat Haberlander heute gesagt. Insgesamt viermal. Ich bin ja kein Voyeur, was auch meiner Kurzsichtigkeit geschuldet ist, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass das bloße Zusehen schon etwas anderes ist, als aktiv mitzumachen.

„Wir hatten einen fast normalen Sommer, dann kam es zu einem unglaublichen dynamischen Anstieg, der durchaus auch alle überrascht hat“, meint die Politikerin. Das stimmt, so wie ich immer von den Sonntagen überrascht werde. Oder von Weihnachten. Heute präsentierte Oberösterreich übrigens die Impf-Lotterie. Das Land wäre gut beraten gewesen, auch gleich den Job der Gesundheitslandesrätin unter allen Teilnehmern zu verlosen. Spezielle Qualifikationen brauchen Sie dafür nicht, Sie müssen nur gut zusehen können. Wie ein Art Gesundheits-Ornithologe.

Wien darf jedenfalls nicht Oberösterreich werden! Durch einen nicht-haberlanderischen Sommer stehen wir momentan gut da, obwohl die ersten Verschleißerscheinungen auftreten. Erst vier Tage nach der Veröffentlichung der Bundesverordnung wurden die Verschärfungen für 12- bis 15-Jährige bekannt. Es ist schon erstaunlich, was eine ganze Generation seit bald zwei Jahren durchmachen muss. In der „Wien Krone“ und auf krone.at sehen wir uns morgen zudem die Öffis an. Dass es dort noch keine Cluster gab, ist nämlich nicht ganz richtig. Aber keine Angst, sie sind immer noch weitaus sicherer als Oberösterreich.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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