10.11.2021 12:53 |

Zweite Generation

BMW 4er Gran Coupé: Mehr als nur ein schicker 3er

BMW bringt die zweite Generation des 4er Gran Coupé: sportlicher als eine 3er-Limousine, praktischer als ein 4er Coupé und deutlich größer als der Vorgänger. Und das sind nur einige der Gründe, das Auto zu mögen. Ein anderer kann auch nach hinten losgehen.

Die Optik kennen wir im Prinzip schon, handelt es sich doch praktisch um die Verbrennerversion des BMW i4. Natürlich mit im Detail geändertem Design, ohne das BMW Operation System 8 (gut so) und mit Benzin- und Dieselmotoren, die fast alle in Steyr gebaut werden.

Moment mal, einen sportlichen, viertürigen Mittelklasse-BMW gibt es doch schon mit dem 3er. Wozu also ein 4er Gran Coupé? Um das zu beantworten, muss man genauer hinschauen, und fahren hilft auch bei der Argumentation. Und am Rande bemerkt ist das sogar ein Fünftürer.

BMW zückt die Dynamik-Karte
Nun würde es dem Auto aber ganz und gar nicht gerecht werden, wenn man es als fünftürige Version des 3er mit großer Niere bezeichnen würde, die Unterschiede gehen tiefer, unter das Blech. Denn sie haben den Wagen in München einer echten Sport-Kur unterzogen, was man daran merkt, dass er besser einlenkt und generell besser liegt als der 3er.

Die Karosserie wurde versteift und die Spur verbreitert. Mit 1595 Millimeter ist sie vorn 6 mm breiter als beim 3er und sogar 20 mm breiter als beim 4er Coupé, hinten legt sie auf 1623 Millimeter zu, was ein Plus von 19 bzw. 12 mm ausmacht. Außerdem sind die Raddurchmesser größer als bei 3er und 4er Coupé (Seriengröße 225/55R17 statt 225/50R17).

Das Fahrwerk ist standardmäßig mit hubabhängigen Dämpfern ausgestattet, das gilt auch für das Sportfahrwerk (das die Basis für die Fahrwerksabstimmung im Topmodell M440i xDrive darstellt). Alternativ lässt sich ein adaptives M Fahrwerk ordern, das eine gute Bandbreite von Komfort bis Sport bietet. In jeder Fahrmodusstellung ist es herrlich, sich im neu gestalteten Sportsitz in die Kurve zu lehnen.

E-Unterstützung im Top-Motor
Der Charakter der Baureihe kommt natürlich im M440i xDrive Gran Coupé am besten zur Geltung. Der Dreiliter-Sechszylinder mit TwinScroll-Turbolader ist einfach in allen Belangen ein Genuss. 374 PS und 500 Nm bei 1900/min. stehen im Datenblatt, die Unterstützung durch den 48-Volt-Startergenerator, der 8 kW/11 PS beisteuert, sorgt für eine Extraportion Geschmeidigkeit. Den Standardsprint absolviert er in 4,7 Sekunden. Der Allradantrieb ist hinterradorientiert ausgelegt.

Zum Marktstart sind noch drei weitere Motoren - alles Vierzylinder - erhältlich: die Benziner 420i und 430i mit 184 bzw. 245 PS und der 420d mit 190-PS-Dieselmotor. Auch der Diesel hat das 48-Volt-System, außerdem hat man hier die Wahl zwischen Hinterrad- und Allradantrieb. Die Option auf ein manuelles Schaltgetriebe bietet BMW nicht an, Achtgangautomatik ist Serie. Im M440i xDrive serienmäßig ist die sonst optionale Sportautomatik.

Die Getriebesteuerung kann auch die vom Navigationssystem sowie von Fahrerassistenzsystemen gelieferten Daten über das Streckenprofil und die Verkehrssituation berücksichtigen. Dadurch wird beispielsweise bei der Annäherung an eine Kreuzung oder ein vorausfahrendes Fahrzeug frühzeitig heruntergeschaltet.

Sportlich, aber auch praktisch
Im Vergleich zum 4er Coupé ist das Gran Coupé praktischer im Alltag und kann manchen auch den Kombi ersetzen. Trotzdem hat es auch die schönen rahmenlosen Seitenscheiben, was allein schon dazu ausreichen würde, um es sexier zu machen als den 3er. Von dem unterscheidet es sich auch in den Maßen (4,78 m lang/+8 cm länger, 1,85 m breit/+3 cm), aber vor allem durch die weit öffnende Heckklappe, hinter der 470 bis 1290 Liter Gepäck Raum finden. Das macht das Gran Coupé auch für Leute interessant, die vielleicht dem 3er GT nachtrauern, auch wenn es hier keinen verlängerten Radstand gibt (knapp 2,86 m). Auf den Rücksitzen ist die Kopffreiheit aber etwas eingeschränkt.

Freud und Leid im Innenraum
Der Innenraum ist BMW-typisch, das Armaturenbrett entspricht im Wesentlichen dem der 3er- und 4er-Reihe. In der Basis blickt der Fahrer auf klassische Instrumente mit einem 5,1-Zoll Display dazwischen, der zentrale Touchscreen misst 8,8 Zoll (BMW Live Cockpit Plus).

Für die meisten Extras braucht man allerdings das BMW Live Cockpit Professional, das den 12,3 Zoll großen Tachoscreen und das 10,25-Zoll-Touchscreen umfasst. BMW hat sich noch immer nicht dazu bewegen lassen, mehrere Ansichten/Screens hinterm Lenkrad anzubieten. Es bleibt also bei gegenläufigen Armaturen und einer Tachoskala, die nur als Designelement dient, aber in Wahrheit nicht sinnvoll abzulesen ist. Da sind sie bei mittlerweile konsequent, quer durch alle Baureihen. Irritierend auch, dass man einen Drehzahlmesser nur noch im Sportmodus angezeigt bekommt.

Als Ausrede bei der Radarkontrolle wird das uniformierte Organ das Tachodesign nicht gelten lassen, denn man erfährt natürlich trotzdem, wie schnell man fährt, entweder über die digitale Anzeige oder man hat das Head-up-Display mitbestellt. Und das Bediensystem ist nach wie vor Benchmark in Bedienfreundlichkeit, inklusive den acht frei belegbaren Funktionstasten. Das cloudbasierende Navi ist serienmäßig. Apple CarPlay und Android Auto sind kabellos dabei, das Handy lädt drahtlos.

Bis zu 40 Assistenten
Immer an Bord sind Frontkollisionswarnung, Speed Limit Info, Spurverlassenswarnung, Parksensoren, Rückfahrkamera und der Parkassistent samt Rückfahrassistent. Optional sind u.a. Adaptivtempomat mit automatischer (anpassbarer) Tempolimitübernahme, automatisiertes Fahren, Surround View oder auch der Drive Recorder.

Die Preisliste beginnt bei 50.700 Euro. Der M440i xDrive kommt auf 75.900 Euro, gut 4000 Euro mehr als der vergleichbare 3er. Der Diesel kostet 51.750 Euro, mit Allrad 55.200 Euro. Ab 13. November stehen sie beim Händler.

Unterm Strich
Der neue BMW 4er Gran Coupé ist sportlich, genussvoll und praktisch gleichermaßen. Und er unterscheidet sich mehr denn je vom klassischen viertürigen Kollegen, dem 3er. Das muss einem allerdings auch ein paar Tausender Aufpreis wert sein.

Warum?
Schöne, sportliche Alternative
Gut an der Fahrdynamik gefeilt

Warum nicht?
Hoher Aufpreis

Oder vielleicht …
… BMW 3er, BMW i4, Audi A5 Sportback

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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